Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann besucht Chemiestandort Leuna: Chemieindustrie zwischen massivem Druck und neuen Wachstumsperspektiven

Im Rahmen ihrer Mittelstandsreise besuchte Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand, den Chemiestandort Leuna.

In Begleitung von Sven Schulze, Ministerpräsident des Landes Sachsen- Anhalt, wurde die Staatssekretärin von Dr. Christof Günther, Geschäfts­führer des Standortbetreibers InfraLeuna GmbH, sowie Vertretern der ansässigen Unternehmen LEUNA-Harze, intelligent fluids und dem Biotech-Startup MicroHarvest bei der InfraLeuna empfangen.

https://www.infraleuna.de/
 

Im Mittelpunkt des Besuchs standen Gespräche mit dem Standort­betreiber und mit am Standort ansässigen Unternehmen zur Lage der Chemie­industrie und zu den Perspektiven des Chemie­standorts, ergänzt durch eine Rundfahrt über das Gelände.

Chemieindustrie unter massivem Druck - politischer Handlungsbedarf steigt

In den Gesprächen wurde deutlich: Die Chemie­industrie steht bundesweit wie auch am Chemies­tandort Leuna unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Hohe Energie­preise, insbesondere Erdgas­preise, bürokratische Lasten und internationale Wettbewerbs­verzerrungen belasten die bestehenden Produktions­anlagen und führen zu einer teils deutlich reduzierten Auslastung. Die jüngste Insolvenz des Unternehmens DOMO Chemicals hat den Standort zusätzlich hart getroffen und unter­streicht den akuten Handlungsbedarf.

„Die Chemieindustrie befindet sich in einer der schwierigsten Phasen der letzten Jahr­zehnte. Auch hier in Leuna spüren wir das deutlich. Die Insolvenz von DOMO hat schmerzlich gezeigt, wie fragil die Lage inzwischen ist. Um industrielle Wert­schöpfung und Arbeits­plätze in Deutschland zu sichern, brauchen wir dringend weitere und wirksame Maß­nahmen seitens der Bundes­regierung“, betont Dr. Christof Günther.

20260212Gitta-Connemann-am-Chemiestandort-Leuna5-qt6g5twnwxfj01bÜbergabe des Förderbescheids an MicroHarvest im Besucher­informations­zentrum (BIZ) am Chemie­standort Leuna

(v.l.n.r) Jonathan Roberz, Co-Founder und COO von MicroHarvest, Katelijne Bekers, Co-Founder und CEO von MicroHarvest, Sven Czekalla, Mitglied des Landtags Sachsen-Anhalt, Gitta Connemann, Parlamentarische Staats­sekretärin bei der Bundes­ministerin für Wirtschaft und Energie und Beauf­tragte der Bundes­regierung für den Mittel­stand, Sven Schulze, Minister­präsident des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Christof Günther, Geschäfts­führer der InfraLeuna GmbH 

Foto: MicroHarvest

 

Ambivalente Lage am Standort: Wachstum durch neue Anlagen – Druck im Bestand

Gleichzeitig zeigt sich die Situation am Chemiestandort Leuna ambivalent: Auf der einen Seite gehen aktuell mehrere große Anlagen in Betrieb. Mit UPM Biochemicals, TOPAS Advanced Polymers und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entfalten nun Investitionen der vergangenen Jahre ihre Wirkung und sorgen für einen spürbaren Wachstumsschub am Standort.
Auf der anderen Seite bleibt der wirtschaftliche Druck im Bestand hoch. Viele Unternehmen kämpfen mit schwacher Nach­frage und hohen Kosten, was die insgesamt angespannte Lage der Chemieindustrie widerspiegelt.

Zukunftssignal durch Neuansiedlung: Biotech-Unternehmen MicroHarvest investiert am Chemiestandort Leuna

Ein zentrales Zukunftssignal des Besuchs ist die geplante Neuansiedlung des Biotech-Unternehmens MicroHarvest am Chemie­standort Leuna. Im Rahmen des Termins übergab die Parlamentarische Staats­sekretärin Gitta Connemann den Förder­bescheid für die Bundesförderung für Energie- und Ressourcen­effizienz in der Wirtschaft in Höhe von 5,5 Mio. Euro an das Unternehmen. MicroHarvest plant in Leuna den Aufbau einer Produktions­anlage im industriellen Maßstab zur nach­haltigen Protein­produktion. Die geplante Anlage soll eine Jahres­kapazität von rund 15.000 Tonnen erreichen. Das Investitions­volumen liegt im mittleren zweistelligen Millionen­bereich und stellt eine wichtige Investition in den Chemie­standort und die Region dar. Der Produktions­start ist nach aktueller Planung in rund zwei Jahren vorgesehen. Mit dem Projekt ist zudem der Aufbau von etwa 25 neuen Arbeits­plätzen am Chemie­standort verbunden.

„Gerade in dieser herausfordernden Phase ist die Ansiedlung von MicroHarvest ein starkes Signal für den Chemie­standort und die gesamte Region. Sie zeigt, dass unser Standort trotz der aktuellen Belastungen attraktiv bleibt und Zukunfts­investitionen anzieht. Die Verbindung von etablierter Chemie­industrie mit innovativen bio­technologischen Ansätzen ist ein entscheidender Baustein für die langfristige Perspektive hier in Leuna“, erklärt Dr. Christof Günther.

Auch das Biotech-Unternehmen betont die Bedeutung des Standorts für die Umsetzung seines Investitions­projekts. „Für uns war entscheidend, einen Standort zu finden, an dem wir unsere Technologie wirklich in industrielle Realität übersetzen können“, sagt Jonathan Roberz, Co-Founder und COO von MicroHarvest. „Wir bauen kein Pilot­projekt, sondern Produktions­infrastruktur für relevante Mengen. Leuna bietet dafür genau das richtige Umfeld: bestehende Industrie, verlässliche Utilities und ein regionales Agrar- und Verarbeitung­snetzwerk. Das erlaubt uns, Geschwindigkeit aufzunehmen und uns auf das zu konzentrieren, was wir am besten können – skalierbare Fermentations­prozesse umzusetzen.“

Ministerpräsident Sven Schulze erklärte: „Die Ansiedlung von MicroHarvest zeigt, dass Sachsen-Anhalt und speziell der Chemie­park Leuna weiterhin attraktiv für Investoren sind. Hier finden wir traditionelle Chemie und junge Start-Ups mit neuen Ideen und Konzepten. Damit beide eine gute Zukunft haben, müssen die Rahmen­bedingungen stimmen. Das heißt vor allem runter mit den Energie­kosten, weniger Bürokratie. Hier hoffe ich auf weitere positive Signale des Bundes.“

Die Parlamentarische Staatssekretärin unterstrich bei der Übergabe des Förder­bescheids die Bedeutung gezielter Förder­instrumente für industrielle Trans­formation und regionale Wert­schöpfung. Parlamentarische Staats­sekretärin Gitta Connemann: „Mit dieser Förderung setzen wir ein klares Zeichen: Wir investieren in neue Technologien. In den Mut von Gründerinnen und Gründern. Und gezielt in Energie- und Ressourcen­effizienz. Diese entscheiden über Wettbewerbs­fähigkeit - gerade unserer Industrie. Wir helfen Start-ups beim Wachsen - vom ersten Prototyp bis zur industriellen Skalierung. So entsteht neuer Mittel­stand. So sichern wir industrielle Wert­schöpfung in Deutschland. 5,5 Millionen Euro sind mehr als Geld. Sie sind auch ein klares Bekenntnis des Bundes zum Standort Leuna. Leuna steht für industrielle Stärke und entwickelt sie weiter. Nachhaltig. Verantwortungsvoll. Effizient. Für uns ist Leuna ein Standort mit Zukunft.“

Der Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin machte deutlich: Der Chemie­standort Leuna steht exemplarisch für die aktuelle Situation der Chemie­industrie in Deutschland – zwischen erheblichem wirtschaftlichem Druck im Bestand und neuen Chancen durch Investitionen, Innovationen und Ansiedlungen. Entscheidend wird sein, dass die politischen Rahmen­bedingungen zügig weiter­entwickelt werden, um bestehende industrielle Strukturen zu stabilisieren und gleichzeitig die Weiter­entwicklung des Standorts aktiv zu unterstützen.


Herausgeber: InfraLeuna, Ansprechpartnerin für Presse und Öffentlichkeit
Claudia Herrmann
Unternehmenskommunikation
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