Der VDI Arbeitskreis Verfahrenstechnik Mitteldeutschland führte am 15.04.2010 seine 50. Fachexkursion durch. Die Exkursion führte in den Norden von Sachsen-Anhalt und hatte eine Besichtigung der Bioprodukte Prof. Steinberg GmbH Klötze (kurz: Algenfabrik Klötze) zum Inhalt. Sie fand sehr großes Interesse, was sich auch in der großen Anzahl der Teilnehmer (nämlich 35) wiederspiegelt.
Da die meisten Exkursionsteilnehmer auf dem Wege nach Klötze ohnehin durch Haldensleben und Letzlingen fahren mussten, nutzen wir die Gelegenheit zu einem Zwischenstopp in der Colbitz-Letzlinger-Heide, verbunden mit einem Besuch des Jagdschlosses Letzlingen.
Eine Mitarbeiterin der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt führte uns eine Stunde lang durch das im Jagdschloss heute untergebrachte Museum (mit mehreren Unterausstellungen).
Sie erläuterte uns die wechselvolle Geschichte des Jagdschlosses Letzlingen, das 1560 bereits als Jagdburg errichtet, unter den Hohenzollern vernachlässigt und 1840 von Friedrich Wilhelm IV. aber wiederentdeckt wurde. Nach Plänen des Architekten Stüler ließ er ein Schloss im Stile der englischen Neugotik errichten. Es wurde bis 1912 als Basis für hochkarätige Staatsjagden genutzt, kam danach in Staatsbesitz und wurde von 1945 bis 1991 schließlich als Krankenhaus genutzt. Dementsprechend mussten nach 1991 auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden.
Im Jagdschloss sind heute neben dem Museum auch ein Hotel, ein Restaurant und das Standesamt von Letzlingen untergebracht.
Nach der Besichtigung des Jagdschlosses Letzlingen setzte sich unsere Autokolonne in Richtung Algenfabrik Klötze in Bewegung, die von außen den Eindruck eines großes Gewächshauses und von innen (wie wir später feststellten) den Eindruck einer gläsernen Chemieanlage macht.
Hier wurden wir bereits vom deutschen Geschäftsführer der Algenfabrik, Herrn Dr. Martin Ecke, erwartet, der uns anschließend in einem zweistündigen Vortrag sehr umfassend und kenntnisreich mit der in Klötze verwendeten Technologie der Algenprodukten sowie allen damit verbundenen Fragen vertraut machte. Ursprünglich sollte sein Vortrag nur eine Stunde dauern. Die Teilnehmer unserer Exkursion waren jedoch sehr neugierig, stellten sehr viele Fachfragen und wollten möglichst viel über die nicht alltägliche Produktionsanlage in Klötze wissen, so dass die geplante Vortragszeit einfach zu kurz war.
In der Algenfabrik Klötze werden seit 2000 Algen vom Typ Clorella vulgaris gezüchtet. Die Algen wachsen in einem insgesamt 500 km langen Glasröhrensystem, das nach außen abgeschirmt ist und in dem sich nicht wie in offenen Teichsystemen oder Rühranlagen giftige Blaualgen bilden können. Die Algenproduktion erfolgt saisonal. Bevor die Produktion im Frühjahr beginnen kann, müssen schrittweise erste Algenchargen gezüchtet werden, die später in die Kreislaufflüssigkeit injiziert werden und sich dann vermehren. Zur “Fütterung“ der Algen werden außerdem Nährsalze und Kohlendioxid benötigt. Die Algen produzieren bei ihrem Wachstum Sauerstoff, der kontinuierlich aus der im Kreislauf zirkulierenden Algenflüssigkeit entfernt wird und leider zusammen mit anderen Einflussfaktoren die Lebensdauer der Glasrohre begrenzt. Endprodukt der Algenproduktion ist ein sprühgetrocknetes Algenpulver.
Die Teilnehmer der Exkursion waren darüber erstaunt, dass Algen zwar als Futtermittel in der Tierproduktion eingesetzt werden dürfen, aber nur in sehr begrenztem Umfang als Nahrungsmittel, bestenfalls als Nahrungsergänzungsmittel. Das ist der Grund, weshalb im Handel zur Zeit nur wenige algenhaltige Nahrungsmittel wie etwa algenhaltige Filinchen zu erhalten sind.
Dabei haben wissenschaftliche Untersuchungen bei Menschen und Tieren ergeben, dass algenhaltige Nahrungsmittel bei regelmäßigem Verzehr den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel senken und eine leistungssteigernde Wirkung haben. Die von Dr. Ecke und seinen Mitarbeitern zum Snack angebotenen algenhaltigen Plätzchen und Filinchen fanden jedenfalls reißenden Absatz.
Nach den umfangreichen Ausführungen von Dr. Ecke erfolgte eine Besichtigung der Produktions-anlagen, die etwa eine Stunde dauerte. Dabei wurden von den Teilnehmern unserer Exkursion erneut sehr viele Fragen gestellt, die manchmal zu intensiven Fachdiskussionen führten.
Die Gespräche konnten leider nicht immer von allen Teilnehmern mitverfolgt werden, weil kein Megaphon oder ähnliche Hilfsmittel zur Verfügung standen und der Pumpenlärm manchmal die Sprache übertönte. Dessen ungeachtet war der Besuch der Algenfabrik Klötze ein voller Erfolg, der sicher noch manche Folgediskussionen auslösen wird.