Exkursion zum Kraftwerk Lippendorf     


Der AK Umwelttechnik hatte am 30. März 2010 zu einer Exkursion ins Braunkohlenkraftwerk Lippendorf der Vattenfall Europe Generation AG eingeladen. Das imposante Bauwerk südlich von Leipzig ist meist schon von weitem zu sehen, egal aus welcher Richtung man sich nähert. Es beeindruckt noch viel mehr, wenn man unmittelbar davor steht.

Andererseits lässt die interessante und einheitliche Fassadengestaltung der Gebäude die Wuchtigkeit des Komplexes etwas in den Hintergrund treten. Natürlich kommt man sich am Fuß der nahezu 165 m hohen Ofenhäuser oder noch rund 10 m höheren gewaltigen Kühltürme trotzdem recht winzig vor.

Aber beginnen wir am Anfang. Die angekündigte Exkursion hatte im Vorfeld erhebliches Interesse gefunden, was sich in 40 Anmeldungen ausdrückte. Infolge einiger Ausfälle hatten sich schließlich 32 Teilnehmer (davon sogar etwas mehr als die Hälfte Nichtmitglieder) im Kommunikationszentrum am Eingang des Anlagenkomplexes eingefunden, wo sie vom Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, Herrn Dornberg begrüßt wurden. Am Übersichtsmodell der Region gab es zunächst Ausführungen zum traditionsreichen Mitteldeutschen Braunkohlenrevier mit seinen Tagebauen und Energieerzeugungsanlagen.

Es folgte ein kurzer Abriss zum Vattenfall Konzern als einem der größten Arbeitgeber im Osten Deutschlands, bevor am Kraftwerksmodell die einzelnen Anlagenteile und Arbeitsschritte im Kraftwerksbetrieb erläutert wurden. Vor dem eigentlichen Rundgang blieb schließlich noch etwas Zeit, um sich die einzelnen Exponate der Ausstellung zu den Schwerpunkten Braunkohle und Energieerzeugung anzusehen.

Der Rundgang führte anschließend zunächst durch die Außenanlagen bis zum Fuß eines der gigantischen Kühltürme am Ende des Werkgeländes. Im Kühlturm erfolgt die Abführung der vom Kühlwasser bei der Kondensation des Dampfes nach der Turbine aufgenommenen Wärme. Zusätzlich werden über die Kühltürme die gereinigten Rauchgase abgeführt, so dass auf einen zusätzlichen Schornstein verzichtet werden kann.

Auf dem Rückweg waren nun die Anlagenteile im Inneren der Bauten an der Reihe. Der Weg führte quasi entgegen dem Weg der zu den Kühltürmen geleiteten Rauchgase zunächst in die Anlagenteile der Rauchgasreinigung mit den Schwerpunkten Elektrofilter und Rauchgasentschwefelung. Aber auch die spezielle Feuerungstechnologie mit stickoxidarmer Verbrennung und gestufter Verbrennungsluftzuführung ist maßgeblich für die wirksame Minimierung der Schadstoffemissionen. Im Ofenhaus führte unser Weg am Fuß des riesigen etwa 157 m hohen Turmkessels an einer der pro Kessel zugeordneten 8 Ventilator-Schlagmühlen entlang, in denen die Rohbraunkohle zu Staub vermahlen und in die Brennkammer eingeblasen wird.

Es folgte die Auffahrt auf das Dach des Ofenhauses, um aus luftiger Höhe den weiten Blick in die Region zu genießen. Danach führte der Weg schließlich noch durch das Maschinenhaus mit den Anlagen zur Kesselspeisewasserzuführung und die riesige Turbinenhalle. Hier stehen die beiden mehrteiligen Turbosätze des Kraftwerkes, in denen die mechanische Energie des erzeugten Dampfes über die Turbinenwelle im Generator in elektrische Energie umgewandelt wird. Der gesamte Turbinen-Generatorsatz ist zusätzlich eingehaust.

Auf der Außenseite sind durch farbliche Gestaltung die verschiedenen Turbinenteile angedeutet: einstufiger Hochdruckteil, zweiflutiger Mitteldruckteil und die 3 zweiflutigen Niederdruckteile. Jede der beiden Turbinenblöcke hat eine Leistung von 920 MW. Zwischen beiden Blöcken befinden sich noch die Einrichtungen zur Fernwärmeauskopplung, da ein Teil der bei der Energieumwandlung entstehenden Wärme zur Fernwärmeversorgung der Städte Leipzig und Böhlen sowie der Gemeinde Neukieritzsch dient.Die Besichtigung fand ihren Abschluss mit einem Blick in die zentrale Messwarte mit den Leitständen zur vollautomatisierten Führung und Überwachung des Betriebes. Das Kraftwerk Lippendorf läuft inzwischen seit 10 Jahren im Grundlastbetrieb als hoch effiziente Energieerzeugungsanlage. Durch umfangreiche Umweltschutzmaßnahmen wurden enorme Verringerungen der Emissionen im Vergleich zu den abgelösten Altanlagen Lippendorf und Thierbach erzielt.Unser Dank galt abschließend Herrn Dornberg für die interessante Führung und die ausführlichen Erläuterungen. Das Interesse aller Teilnehmer kam letztlich auch darin zum Ausdruck, dass der Besuch sich auf gut 2,5 h ausgedehnt hatte.

Dr. Bernd Warnke AK-Leiter
Ausgabe 2/2010