Arbeitskreis Verfahrenstechnik besichtigt Pilotanlagenzentrum Schkopau

Wenn Sie auf der B91 am Betriebsgelände von DOW in Schkopau vorbeifahren, fällt Ihnen vielleicht das Schild "Value-Park" auf und Sie frage sich, was das wohl sein könnte. Es findet sich da ein ganzes Ensemble von Firmen, die alle irgendwie mit Polymerenchemie zu tun haben und so in Symbiose mit dem großen Bruder DOW auf dem Gelände zusammenarbeiten können. Eine besondere Einrichtung ist dabei das Pilotanlagenzentrum für Polymersynthesen Schkopau des Fraunhofer Instituts für Polymerenforschung und des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik, das sich mit der technologischen Entwicklung neuer Verfahren der Synthese und Verarbeitung solcher Stoffe beschäftigt.

Der Verein Deutscher Ingenieure VDI lud am 25. Februar dazu ein, diese interessante Einrichtung einmal von innen kennenzulernen, ein Highlight für jeden Verfahrenstechniker, denn hier finden sich auf engstem Raum unterschiedlichste Anlagen und Geräte, mit denen das Umsetzen von Laborergebnissen in großtechnische Verfahren ausgetestet und erprobt werden kann. Das Pilotanlagenzentrum ist in seiner Art einmalig, zumindest in Europa.

Und deshalb ist es auch für uns über den fachlichen Aspekt hinaus interessant, einen kleinen Einblick in ein Institut zu vermitteln, das zu den Perlen technischen Fortschritts und technologischer Leistungsfähigkeit in unserer Region zu zählen ist.

Der Obmann des Arbeitskreises Verfahrenstechnik Dr. Oertel bedankte sich zunächst für die Gelegenheit zu diesem Einblick, anschließend stellte Prof. Bartke die Institution vor. Interessant war dabei neben den technischen Möglichkeiten und Ausrüstungen auch die Organisation solcher Forschungskampagnen, wie sie in Zusammenarbeit mit Auftraggebern aus der Industrie zur Erprobung von Neuerungen oder Maßstabsvergrößerungen an chemischen Prozessen geführt werden müssen, wenn bisher nur Erfahrungen im Labormaßstab bekannt sind. Ziel ist es, die Prozesse danach so zu beherrschen, daß man industrielle Anlagen betreiben kann.

Dabei kann es sowohl um die Führung chemischer Reaktionen als auch um neue Ideen und Werkzeuge der Weiterverarbeitung der Produkte gehen, zur Technologie gehört schließlich beides.

Für Aufgaben dieser Art benötigt man ein Ensemble von chemischen Apparaten verschiedener Größe und Auslegung, die den wechselnden Anforderungen entsprechend flexibel zusammengeschaltet werden können.Das PAZ hat dazu eine große Halle voller Technik. Leider können wir mit Bildern von dieser flexiblen und effektiven Technologie nur einen sehr begrenzten Eindruck vermitteln.Der Rundgang und die ausführlichen Erläuterungen der Mitarbeiter des PAZ waren da natürlich viel informativer.

In den wissenschaftlichen Fachbeiträgen vor und nach dem Rundgang gaben Mitarbeiter wie auch Vertreter beauftragender Firmen Beispiele für die Arbeit an Problemen aus der Praxis und die herausragende Bedeutung eines solchen Versuchsfeldes, das sich als Dienstleister im Forschungs- und Entwicklungsprozeß der Industrie einen herausragenden Platz erobert hat.

Das bestätigte uns auch Professsor Bartke in einem anschließenden Gespräch.

Das Herz der Polymerenverarbeitung schlägt also auch heute auf dem Schkopauer Industriegelände. Das dürfte auch von Interesse sein, wenn man nicht zu den fachlichen Spezialisten gehört.
Dr.-Ing. Gerhard Kämpfer, VDI
Mitglied des Redaktionskollegiums
Ausgabe 2/2010