Themenbotschafterin des Wissenschaftsjahres

Die Biochemikerin Prof. Dr. Carola Griehl ist Themenbotschafterin des Wissenschaftsjahres 2010. Die Algenbiotechnologin ist eine von vier Wissenschaftlern, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung dazu auserkoren hat, das diesjährige Thema Zukunft der Energie in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Interview spricht sie über ihre Mission als Themenbotschafterin.

einblick: Sie sind als Botschafterin für das Wissenschaftsjahr zum Thema „Zukunft der Energie“ ausgewählt worden. Wie sieht diese Zukunft aus?
Prof. Griehl:
Um die Energieversorgung in der Zukunft sicher, bezahlbar und umweltfreundlich zu gestalten, müssen wir alle unseren Beitrag leisten. Der Energiebedarf der Menschen wird in den kommenden 20 Jahren um 50 bis 60 Prozent steigen und wächst weltweit noch stärker als die Menschheit selbst. Zudem werden noch immer über 80 Prozent der benötigten Energie aus fossilen Energieträgern gewonnen, die durch hohen Kohlendioxidausstoß den Klimawandel forcieren und deren Vorräte endlich sind. Um nicht künftigen Generationen die Lebensgrundlage zu zerstören, bedarf es unter anderem der Weiterentwicklung und Optimierung regenerativer Energietechnologien, der Erschließung völlig neuer Energiequellen und einer langfristig angelegten Forschung. Die Politik kann dafür die Weichen stellen und durch finanzielle Mittel oder den CO2-Emissionshandel Anreize schaffen. Aber jeder Einzelne ist aufgefordert, sparsamer mit dem kostbaren Gut Energie umzugehen.

Das Wissenschaftsjahr 2010 stellt mit dem Thema „Zukunft der Energie“ neue Ansätze der Energieforschung in den Mittelpunkt. Fragen nach Alternativen zu Öl, Gas und Kohle als Energieträger und einer umweltverträglichen Energieversorgung der Menschheit sollen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden. Eine wichtige Rolle spielt hier auch die Arbeit deutscher Forscher. Vier der Wissenschaftler wurden ausgewählt, um als Mittler zwischen Forschung und Öffentlichkeit zu fungieren. Prof. Dr. Carola Griehl von der Hochschule Anhalt steht dabei für den wissenschaftlichen Ansatz, Algen als Energieträger und als Wertstoffproduzent zu nutzen. Die Leiterin des Köthener Innovationslabors Algenbiotechnologie untersucht mit ihrem Team in verschiedenen Projekten, wie die Gewinnung von hochwertigen Produkten für die pharmazeutische und kosmetische Industrie mit der energetischen Verwertung der Restalgenbiomasse zu Biogas oder Algenöl bei gleichzeitiger Verwertung des klimaschädlichen CO2 in geschlossenen Stoffkreisläufen gekoppelt werden kann
Inwieweit ist die Aufforderung Energie zu sparen denn schon angekommen?
Die Frage nach einer bezahlbaren Energieversorgung ist vor allem in den Unternehmen angekommen, da sie sehr stark die Wirtschaftlichkeit beeinflusst. Auch die privaten Verbraucher spüren an steigenden Spritpreisen immer mehr, dass ein Umdenken von fossilen Rohstoffen hin zu regenerativen Energieträgern erforderlich ist. Ich würde mir wünschen, dass die Energiedebatte noch stärker im Schulalltag verankert wird und in jeder Grundschule über Energie und Energiesparen gesprochen wird. Projekte: „Wie sieht der Energiemix der Zukunft aus?“ oder „Wie kann Energie effizienter genutzt werden?“ fördern Entdeckerfreude und Neugier und sensibilisieren die Kinder für den verantwortungsvollen Umgang mit Energie. Auch ist talentierter Nachwuchs wichtig, um zukunftsfähige Energiesysteme zu etablieren.

Welche Chancen sehen Sie für einen globalen Ansatz?
In erster Linie sind hier die Politiker gefragt, die die Interessen aller Staaten vernetzen müssen. Denn Klimawandel kennt keine Landesgrenzen und viele wichtige Energieträger sind geographisch ungleich verteilt. Dass das kein einfacher Weg ist, hat die Klimakonferenz von Kopenhagen gezeigt. Aber es gibt bereits Ansätze. Das Know-How regenerativer Energietechnologien wird zum Beispiel in andere Länder exportiert. Ich etwa erforsche unter anderem, wie man aus Mikroalgen Biomasse für energetische und stoffliche Anwendungen herstellen kann. In Deutschland ist die Algenzucht zur Energiegewinnung wegen der klimatischen Bedingungen nicht wirtschaftlich. Aber Investoren aus anderen Ländern, in denen sich das lohnen könnte, interessieren sich dafür. Es gibt kein Patentrezept für alle Regionen der Erde, welche alternativen Energien einen Nutzen haben. Wichtig sind hier internationale Energieforschungsprojekte, die viele Länder integrieren. Ohne wissenschaftliche Unterstützung kann die Politik eine globale Klima- und Energiepolitik nicht leisten. Und dafür wird gut ausgebildeter Nachwuchs gebraucht. Deshalb ist es, wie eben gesagt, vor allem wichtig, Kinder für die Energieforschung zu begeistern.
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Ausgabe 2/2010