Am 2. Februar 2010 führte die Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt ab 18:00 Uhr im Hotel Ratswaage Magdeburg gemeinsam mit den Ingenieurverbänden und vereinigungen ihren diesjährigen Neujahrsempfang durch. Zahlreiche Gäste aus der Wirtschaft, von Hochschulen und FuE-Einrichtungen, von Ingenieurdienstleistern und natürlich aus der Politik waren erschienen. Wenige Minuten nach 18:00 kam der Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Dr. Reiner Haseloff, und die Veranstaltung konnte nahezu pünktlich beginnen.
In seiner Begrüßungsrede nannte der Präsident der IK Sachsen-Anhalt, Herr Dipl.-Ing. Jörg Herrmann u. a. einen notwendigen Wandel der Ausrichtung der Wirtschaftspolitik hin zu mehr Nachhaltigkeit. Die Fördersätze für erneuerbare Energien sollten nach seiner Ansicht beibehalten werden, was aus sachsen-anhaltischer Sicht verständlich erscheint. Die Globalisierung ist Teil des Alltags geworden, aber eine Überwindung des Konsumdenkens angesichts der Klimaveränderung hin zur einer „Zukunft in nachhaltigem Lebensstil mit bewusstem Verzicht“ so Herrmann sind das Gebot der Stunde.
Der Wirtschaftsminister Dr. Haseloff ging seinerseits ein auf den Bologna-Prozess und dessen Korrekturbedarf. Dabei hob er das besondere Ansehen deutscher Ingenieur-leistungen im In- und Ausland hervor. „Made in Germany“ sei immer noch ein Bonus, auf den wir bauen können. Die Aussichten für künftige Ingenieure in Sachsen-Anhalt seien nach Ansicht von Haseloff sehr günstig, da durch Verrentung bis zum Jahr 2015 viele Fachkräfte aus dem Arbeitsprozess ausscheiden werden und es quasi „0“ arbeitslose Ingenieure geben werde. Sachsen-Anhalt habe im Ranking als dynamischstes Bundesland einen großen Sprung nach vorn getan.
Anschließend wurden - moderiert durch Kerstin Palzer vom MDR Sachsen-Anhalt - aus den Händen von Wirtschaftsminister Reiner Hasleoff und des IK-Präsidenten Jörg Herrmann zwei Ingenieurpreise vergeben:
1. Preis: „Einsparpotential im Kraftwerksbetrieb“
eingereicht von Dipl.-Ing.(FH) Daniel Goll, Lagotec GmbH
2. Preis: „Bioraffinerie Niederndodeleben“
eingereicht von einem Ingenieurteam der Abteilung „Erneuerbare Energien und Sonderprojekte“ der GETEC AG, vertreten durch Dipl.-Ing. Chris Döhring
Außerdem gab es noch 2 Anerkennungspreise und einen Nachwuchspreis.
Sehr interessant war der sich anschließende Festvortrag von Herrn Prof. a. D. Dr.-Ing. Bernd Hillemeier von der TU Berlin zum Thema „Zukunftsfähige und nachhaltige Ingenieurleistungen zum Klimaschutz“. Gleich zu Beginn korrigierte er seine Aussagen hinsichtlich des Klimaschutzes mit den Worten „Wissenschaftler sind nicht immer ganz ehrlich“ und meinte den Präsidenten des IPCC und die von ihm vertretenen Falschaussagen zum Abschmelzen der Gletscher im Himalaya. Hier erfolgt inzwischen ein Umdenken.
Anhand von Beispielen ging er dann auf die Problematik moderner Energietechnologien ein wie
- Zement im Bau
- Glas als Innovationswerkstoff
- Neuere Experimente mit Transparenter Wärmedämmung TWD u.a.
Zusammenfassend stellte Prof. Hillemeier fest „Nur was weh tut bringt uns voran“ und forderte unter der Formel L³ „LebensLanges Lernen“. Energiepolitik ist seiner Meinung nach Weltpolitik. Er brachte noch einen interessanten Vergleich zwischen Energieverbrauch/Bruttosozialprodukt und der Geburtenrate eines Landes. Wie zu erwarten ist bei wenig Energieverbrauch (Dunkelheit) die Geburtenrate höher...
Vor dem abendlichen Imbiss gab es noch eine (wenig spannende) Podiumsdiskussion mit den Honoratioren der Veranstaltung zum Thema „Sachsen-Anhalt Land der Ingenieure“, in der es u. a. um den Bologna-Prozess ging.
Unter dem Slogan „Kein Ding ohne ING. eine Initiative für den Ingenieurberuf“ von mehreren IK´n der Bundesrepublik Deutschland wurde auch für die Bewahrung des Titels „Ingenieur“ bei Berufsabschlüssen geworben. In Sachsen-Anhalt gibt es dazu eine erste Wiederbelebung für Hochschulabsolventen an der Hochschule Anhalt (FH) nach Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge.