
Vom 29. bis 31. 01. 2010 fand im Hause der Evangelischen Akademie Baden in Bad Herrenalb die traditionelle Tagung zusammen mit dem Karlsruher BV des VDI statt. Die am weitesten gereiste Dreierdelegation des Halleschen BV, der seit 1992 regelmäßig teilnimmt, wurde gebührend unter 75 Teilnehmern begrüßt. Diese Veranstaltungen werden gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.
Im Rahmen der Begrüßung durch den Akademiedirektor Strobel und den Mitorganisator des VDI Karlsruhe Herrn Dipl. Ing. Boßler wurde zweier Verstorbener gedacht, die Inhalt und Ablauf der vergangenen 26 Tagungen wesentlich geprägt hatten. 1984 war es Professor G. Schüring, der als damaliger Vorsitzender des Karlsruher BV (insgesamt 33 Jahre lang!) diese Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen hatte und auch bezüglich des Neubaus der Tagungsstätte in Bad Herrenalb tätig gewesen ist. Er ist 2009 mit 81 Jahren verstorben. Weiterhin ist der Obmann des AK Senioren im Karlsruher BV Dr. Kühn (geborener Chemnitzer) als engagierter Diskussionsredner und rhetorischer Unterstützer der Veranstaltungsreihe 89 jährig verstorben. Unser BV trauert um Herrn Dipl. Ing. Nitzsche, der jahrelang interessierter Teilnehmer war und 2009 mit 72 Jahren verstorben ist.1984 begann die Zusammenarbeit Evangelische Akademie Baden mit dem Karlsruher VDI zum Tagungsthema „Was können Ingenieure für den Umweltschutz tun?“. 1991 hieß das Thema „Umweltgefährdung in Ost und West Herausforderung für Technik und Gesellschaft“. 2010 ist das Motto „Einsteigen Umsteigen Aussteigen/ Zukunft der Mobilität in einer globalisierten Welt“, wieder mit umweltpolitischem Hintergrund besetzt.

Sieben Referenten (1 Frau, 6 Herren) von den Universitäten Karlsruhe, Braunschweig, Trier und Bielefeld, vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart, vom Institut für sozial ökologische Forschung (ISOEI) in Frankfurt/M. und vom Wuppertalinstitut für Klima, Umwelt, Energie gestalteten mit geschliffenen Worten die hochrangigen Vorträge und regten bewusst zur anschließenden Diskussionsfreude an.
Mobilität ist Spiegelbild der technischen Fähigkeiten des Menschen und beeinflusst Kultur und Lebendigkeit der Gesellschaft. Das Leben in einer globalisierten Welt ist eng verbunden mit der Gestaltung einer vernünftigen Mobilität. Die Nutzung der Verkehrsmittel zu Lande, Wasser und in der Luft sollte auch verbunden sein mit dem E i n s t e i g e n in ökonomische, ökologische und soziale Verhaltensweisen. U m s t e i g e n bedeutet Nutzung der vielen Mobilitätsmöglichkeiten, aber auch die Überprüfung des eigenen Verhaltens bezüglich Alternativen. Beim A u s s t e i g e n ist auch der Verzicht auf geliebte Gewohnheiten und das Entwickeln von Strategien für einen nachhaltigen Lebensstil angedacht. Der Anspruch ist riesig. Die Realisierung muss aber gesellschaftlich akzeptabel, vernünftig und politisch auch durchsetzbar sein.
Resümee: In Deutschland/Europa ist der Zenit der Mobilität durch den Bevölkerungsrückgang bereits überschritten. Ein gesunder Mix aller angebotenen Verkehrsmittel vom Fahrrad bis zum Carsharing sollte persönlich und öffentlich angestrebt werden. Der Geschwindigkeitswahn muss der Umwelt und der Gesundheit zuliebe eingedämmt werden. Das erfordert z. B. Tempobegrenzung auf der Autobahn und keine weiteren ICE Strecken. Die vernachlässigte Regionalstruktur der DB ist zu beleben, damit auch ältere Menschen mobil bleiben können. Kritisch zu sehen ist die Entwicklung im Schienenverkehr, der vor allem für Pendler und ältere Menschen außerhalb von Großstädten Bedeutung hat. Der Verkehrsverbund im Raum Karlsruhe zeigt die anzustrebende Richtung: Schienenverkehr vom Stadtzentrum ins Umland bis etwa 50 km weit mit vielen Haltepunkten und Umsteigemöglichkeiten auch zum Bus in kurzen Taktzeiten mit bequemen Fahrzeugen. Die Strategie der Deutschen Bahn läuft dem z. Z. durch die Privatisierungshysterie entgegen, wie Bau neuer teurerer ICE Strecken mit wenigen Haltepunkten, Stilllegung von Regionalstrecken, Ausdünnen der Taktzeiten, Personalabbau und Vernachlässigung von Service beim Streckennetz, den Fahrzeugen und gegenüber den Kunden. Sinnvoll ist Hochgeschwindigkeit nur zwischen großen Wirtschaftszentren zur Ablösung des Inlandflugverkehrs.
Im Flugverkehr geht die Tendenz zu Großraumflugzeugen für Weitstrecken (z. B. doppelstöckiger A 380) zwischen Drehkreuzen, von wo man mit der Bahn oder mit kleineren Zubringerflugzeugen zu dezentralen Zielen gebracht wird. Ausufern tut z. Z. der Investitionsaufwand für viele kleine Regionalflughäfen, die ausnahmslos unrentabel sind. Der Einsatz gewicht und treibstoffsparender Bauweisen ist ein weiterer Schwerpunkt im Flugverkehr.
In den Entwicklungsländern Asiens und Afrikas spielen im Verkehrsverhalten auch Statussymbole eine Rolle. Wer ein Auto fährt, stellt eben mehr dar als der mit dem Fahrrad oder Handwagen. Solche Ansichten soll es hierzulande aber auch geben, deshalb ist bei allem Mobilitätswahn und drang auch immer Ethik und Moral mit im Spiel der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe. Dazu gehören z. B. vorrangige Verwendung einheimischer Rohstoffe und saisonaler und territorialer Nahrungsmittel, um den noch immer steigenden LKW Verkehr abzustoppen, und eben der Ausbau eines ökologisch ökonomischen und bezahlbaren Nahverkehrs.
Natürlich gab es auch wieder ein Rahmenprogramm mit familiärer Atmosphäre, Pausen und Abendgespräche bei Schwarzwälder Bier und Badischen Rotwein sowie den traditionellen Sektempfang des Karlsruher BV (4000 Mitglieder).
Und draußen war auch etwas los. Es hatte ohne Unterlass bis zu 50 cm Neuschnee gegeben .