Bericht zu der gemeinsamen Veranstaltung des FORUM Kultur und Technik im VDI BV Halle
und des Arbeitskreises Bautechnik im VDI BV Leipzig

Am 23.06.2009 trafen sich 43 Interessierte Gäste aus Halle und Leipzig (überwiegend VDI Mitglieder) zu der gemeinsamen Veranstaltung dieser beiden Arbeitskreise in dem sächsischen Wirtschaftsarchiv Leipzig in der Industriestraße 85-95. Dieses interessante Archiv hat seinen Sitz im Gebäude der Konsumzentrale Leipzig, einem bedeutendem Industriedenkmal des Leipziger Industrieviertels Plagwitz – ganz in der Nähe von dem, nach dem Leipziger Industriepionier benannten und von ihm erbautem Karl-Heine Kanal.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Leiter des FORUM Kultur und Technik, Herrn Robert Stephan, gab die Geschäftsführerin des sächsischen Wirtschaftsarchivs e.V., Frau Veronique Töpel, einen Einblick in die sehr interessante Arbeit dieses speziellen Archivs. Bei dem Rundgang durch die Archivräume konnten viele Fragen beantwortet und die Bedeutung der Archivierung von Unternehmensdaten und Reliquien für eine spätere Beurteilung der gesamtgesellschaftlichen und kulturellen Einbettung der Wirtschaft in den jeweiligen historischen Zeitraum erklärt werden.

Die Darlegungen von Herrn Dr. sc. phil. Ulrich Heß (Geschäftsführer Art&Economic - History Management ) zum aktuellen Umgang mit der Industriekultur in Sachsen und Sachsen-Anhalt zeigten auf, dass es neben der musealen Aufbereitung verschiedenster Themen der Industriekultur sehr wichtig ist, möglichst viele Industriebauten des 19. und 20 Jh. durch eine entsprechende Nutzung mit in das 21. Jh. zu nehmen und in der sich anschließenden lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass es zwischen industrieller und kultureller Entwicklung einer Gesellschaft einen untrennbaren Zusammenhang gibt und der Begriff Industriekultur weit mehr umfasst als einzelne Bauten. Die Ausbildung einer tragfähigen Industriekultur im weiteren Sinne im globalisierten 21. Jh. liegt noch vor uns. Diese sollte nicht losgelöst von ihren Wurzeln und unter reinem Nutzen/Kosten Denken den Leuten überlassen werden, bei denen sich alles möglichst kurzfristig „rechnen“ muss und die als Aktionäre keinen Bezug zu den Regionen haben, über deren Entwicklung sie maßgeblich bestimmen.

Während der abschließenden Führung durch das Industriedenkmal „Industriestraße 85 - 95“ beeindruckte die Gäste insbesondere wie in der Vergangenheit Nutzung, Ästhetik und Nachhaltigkeit verbunden wurden. Der geplante Zeitrahmen wurde zwar überzogen, doch die Stimmung und das Interesse haben darunter nicht gelitten.

Robert Stephan und Heinrich Moritz Jähnig
AK Kultur und Technik

Ausgabe 4/2009