Die diesjährige Jahresexkursion des AK Umwelttechnik in der Zeit vom 2. bis 5. Juli 2009 führte die 14 Teilnehmer diesmal an den Bodensee. Nach individueller Anreise traf man sich im kleinen Örtchen Nonnenhorn direkt am See. Das erste Ziel der Fachexkursion war die Deutsche Zeppelin Reederei GmbH in Friedrichshafen, wo wir uns über den Zeppelin NT (Neue Technologie) informieren wollten. Gleich zu Beginn der Führung durch die große Halle der Zeppelinwerft konnte eine Zwischenlandung des Zeppelins, der Passagierwechsel und Neuaufstieg beobachtet werden. Beim Passagierwechsel ist zu beachten, dass jeweils im Wechsel nur 2 Personen zu- bzw. aussteigen dürfen, damit das Luftschiff nicht durch Verringerung der Startmasse unkontrolliert aufsteigt. An dieser Stelle schloss sich gleich unsere Frage an, ob man beim Luftschiff nun von „fahren“ oder „fliegen“ spricht. Da der Zeppelin NT beim Start etwas schwerer als Luft ist und die Motoren zur Erzeugung der fehlenden Auftriebskraft braucht, spricht man in diesem Fall vom „Fliegen“. Im Gegensatz „fährt“ ein Luftfahrzeug, wenn es aufgrund seines Auftriebs ohne Motorleistung aufsteigt (wie bei Ballons oder den historischen Zeppelinen).
Es schloss sich unter kompetenter Führung eine Besichtigung der Exponate und Schautafeln in der Halle an, bei der interessante Einzelheiten über die Geschichte der Zeppeline und die Entwicklung des Zeppelin NT zu erfahren waren. Vom Zeppelin NT wurden bisher 4 Stück gebaut. Der Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 18.09.1997. Nach einem Einsatz zu geologischen Untersuchungen von 2005 bis 2007 in Südafrika, wurde er am Ankermast von einer Windhose so schwer beschädigt, dass er abgewrackt werden musste. Drei weitere Serienluftschiffe wurden in den Jahren 2001, 2003 und 2008 in Dienst gestellt. Zwei davon sind in Japan und den USA im Einsatz.
Im Gegensatz zu den historischen Zeppelinen als Starrluftschiffe, bei denen ein komplettes Skelett aus Trägern und Streben die aerodynamische Form des Schiffskörpers vorgibt, ist der Zeppelin NT ein halbstarres Luftschiff. Er enthält ein dreieckiges Teilskelett im Innern der Hülle, die durch den Gasdruck der Füllung (Helium) ihre Form erhält. Der Zeppelin NT dient vorwiegend für Rundflüge und als Werbeträger. Ein Einsatz als Verkehrsluftschiff im Liniendienst ist derzeit nicht vorgesehen. Er ist auch für Forschungsmissionen, etwa Umweltbeobachtungen, Troposphärenforschung oder die Erkundung von Bodenschätzen schon eingesetzt worden.
In seiner Gondel bietet der Zeppelin NT Sitzplätze für 12 Passagiere und 2 Piloten. Das 75 m lange Luftschiff mit einem Hüllenvolumen von 8225 m
3 fliegt üblicherweise in einer Höhe von 300 m und kann bis auf 2600 m steigen. Die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 125 km/h, bei den touristischen Flügen in der Regel bei etwa 70 km/h.
Im zweiten Teil unserer fachlichen Aktivitäten stand ein völlig anderer Technikbereich auf dem Programm. Nach einer kleinen Erholungspause im schönen Lindau und einer geruhsamen Dampferfahrt nach Bregenz wurden das Festspielhaus und die bekannte Seebühne in dieser österreichischen Stadt besucht. Hier gab es neben dem imposanten Komplex des Festspielhauses insbesondere die Bühnentechnik auf der Seebühne zu bewundern. Im Bühnenbereich stand uns ein Bühnenmeister zur Verfügung, der ausführlich die auf Hochtoren laufenden Arbeiten an den verschiedensten Dekorationselementen für die bevorstehende Premiere der Oper Aida erläuterte. Riesige Teile einer zerstörten Freiheitsstatue waren zu sehen, die teils an beweglichen und im Wasser versenkbaren Vorrichtungen oder mit Hilfe zweier großer Turmdrehkrane während den Vorstellungen bewegt werden. Zum Abschluss hatten wir im VIP-Lounge-Bereich im oberen Teil der Zuschauerränge noch einen großartigen Gesamtblick auf die Bühne. Hier erfuhren wir noch interessante Einzelheiten über den gesamten Festspielbetrieb, die komplizierte Tontechnik und das Zusammenspiel von Orchester, das heutzutage im großen Saal des Festspielhauses musiziert, und den auf der Seebühne agierenden Solisten. Für Interessenten sind im Internet unter
www.bregenzerfestspiele.com Eindrücke von den im Sommer 2009 und 2010 laufenden Aida-Aufführungen zu finden.
Natürlich kam während der Exkursion auch die schöne Bodenseeregion nicht zu kurz. So rundete ein Abstecher in das wundervolle Meersburg und ein Besuch der Blumeninsel Mainau oder von Konstanz und der Gemüseinsel Reichenau den Aufenthalt ab. Nach einhelliger Meinung der Teilnehmer hatte sich der Aufwand der langen Anfahrt gelohnt.