Finden ist leichter als Suchen

Mit diesem verblüffend überzeugenden Slogan stellt die Firma Net Con Solutions AG die von ihr entwickelte Suchmaschine Xinoah vor. Gibt es denn wirklich den Bedarf, etwas Neues bei solchen Hilfssystemen für die Aufbereitung von Wissen zu entwickeln? Jedermann nutzt heute doch bereits Suchmaschinen. Es soll Leute geben die regelmäßig bei Google nachschauen, ob es von ihnen was Neues gibt.

Wir hatten die Gelegenheit, mit Stephan Gruber, einem der beiden Geschäftsführer über diese Neuentwicklung zu sprechen. Die Firma, so erklärte er uns, hat 3 Geschäftsfelder. Das ist zum ersten die Erbringung eines traditionellen IT-Betriebs, ein Schulprojekt im Leipziger Land mit mehr als 10.000 Schülern, ein großes Projekt das man als Pilotprojekt technologisch weit nach vorn gebracht hat mit mehreren Schulen, die untereinander vernetzt sind und wobei NetCon den gesamten Service leistet.

Das zweite Geschäftsfeld ist Consulting, wo in allen Bereichen rund um die IT beraten wird. Von der IT-Sicherheit über die Optimierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen bis zu Gutachten oder der Begleitung von Ausschreibungen. Da ist NetCon vor allem bei größeren öffentlichen Kunden sehr aktiv. Und dort wird im Augenblick auch der größte Teil des Umsatzes generiert.

Relativ jung ist der dritte Zweig, die semantische Suchmaschine Xinoah. In diesem Jahr ist man nach mehreren Jahren Entwicklungsvorarbeit in den Vertrieb eingestiegen. Für die Zukunft sieht NetCon gerade hier ein hohes Potential. Es gibt einen Test- und Pilot-Kunden und man ist im Gespräch mit 5 weiteren Anwendern, wo angestrebt wird, bis Jahresende entsprechende Projekte zum Einsatz zu bringen.

Xinoah kann man als eine semantische Suchmaschine oder auch als Wissens-Management-Lösung bezeichnen. Das gesamte Wissen eines Unternehmens liegt heute meist auf einer Unzahl von Dokumenten vor, die verstreut über die gesamte Firma sind und es geht darum, dieses Wissen zu strukturieren, auffindbar und Anderen zugänglich zu machen. Dazu gibt es mehrere Ansätze. Traditionell sind es Dokumenten-Management-Systeme. Dort werden aber die Dokumente in relativ starre Strukturen gesperrt und können nur durch Verschlagwortung oder Indexierung durchforscht werden. Eine weitere Lösung ist das Knüpfen von Wissensnetzen, die per Hand von Wissensmanagern geknüpft werden müssen. Der entscheidende Nachteil hierbei ist, dass die vorgegebenen Begriffe natürlich nicht alles widerspiegeln können, was in dem Dokument enthalten sein kann, sondern eben nur die Vorgaben und dass es einen hohen Pflegeaufwand erfordert. Schwierig wird das insbesondere, wenn die Aufgabenstellung geändert oder erweitert werden muss.

Xinoah geht hier grundsätzlich andere Wege. Durch die Implementierung von sprachwissenschaftlichen Zusammenhängen werden die sinntragenden Wörter eines Textes herausgefiltert – automatisch, ohne dass jemand dazu eingreifen muss. Man kann diese dann mit dem normal sprachlichen Umgang vergleichen und bekommt daraus eben bestimmte Werte, die letzten Endes widerspiegeln, um was es in dem Dokument geht. Und zwar nicht nur bezüglich bestimmter Schlagworte, sondern man weiß, was dort vorkommt und wie es miteinander in Beziehung steht.  Das legt man in einer Datenbank ab und bei einer Anfrage kann man diese Verknüpfungen in einem Wissensnetz darstellen. Entscheidend ist hier, dass sich dieses Wissensnetz immer entsprechend der Suchanfrage aufbaut. Ein veraltetes Wissensnetz kann es deshalb in einem solchen System nicht geben.

Die visuelle Darstellung von Anfrageergebnissen ist relativ neu, es werden keine Listen generiert, sondern der Suchbegriff steht in der Mitte einer grafischen Darstellung und die sinnverwandten Themen werden darum herum angezeigt. Eigentlich stellt das seine 3-D-Kugel dar, aber als Anzeige auf dem Bildschirm sieht der Nutzer einfach eine strahlenförmige Anordnung der sinnverwandten Begriffe, zu denen man dann weitergehen kann. Die Nutzung soll ja möglichst einfach und intuitiv sein.

Alles was aus den Dokumenten herausgefiltert worden ist, steht dann auch zur Verfügung, der Nutzer wird damit auch auf Fakten und Zusammenhänge hingewiesen, die er selbst noch gar nicht im Blickfeld hatte. Der Suchende wird über das System zu den verschiedenen möglichen Aspekten geführt. Die Darstellung der Sinnverwandschaft führt anders als eine immense Trefferzahl ohne inhaltliche Wichtung, wie man sie bei klassischen Suchmaschinen hat, schnell zu den verschiedenen möglichen Aspekten. Man kann sich quasi intuitiv zu dem eigentlichen Suchziel begeben, indem man den Pfad anklickt, der der Aufgabe entspricht.

Als praktisches Beispiel führte Stephan Gruber die Arbeit eines Rechtsanwaltes an. Einen großen Teil seiner Arbeitszeit - je nach Spezialgebiet bis zu 50 Prozent - verbringt dieser mit dem Studium von Beschlüssen und Urteilen von Gerichten zu ähnlichen Fällen. Das ist ein Aufgabenbereich, den er keinesfalls delegieren kann. Aber er kann sie beschleunigen. Die Beschlüsse sind als Dokument zugänglich. In den Dokumenten geht es im Allgemeinen um einen Sachverhalt, der auch verschlagwortet ist, aber innerhalb des Beschlusses werden ja doch eine Vielzahl von Zusammenhängen und Bedingungen genannt, die man in eine Verschlagwortung gar nicht hineinbekäme. Mit Xinoah bekommt man dagegen diese Beziehungen und Querverbindungen alle angezeigt. Bei der Vorbereitung eines Prozesses sind das aber gerade die Aspekte, auf welche es ankommt.

Die Stärke eines solchen Suchsystems erweist sich nicht so sehr bei der Auffindung konkreter Fakten oder Kriterien. Da sind klassische Recherchesysteme preisgünstiger. Xinoah ist aber eindeutig im Vorteil, wenn Kriterien noch gar nicht richtig festgelegt sind, wenn also im Verlaufe eines kreativen Prozesses sich das Ziel erst allmählich heraus entwickelt.

Die Produktentwicklung erfolgt seit mehreren Jahren, wobei dazu zu sagen wäre, dass natürlich noch über 20 Jahr sprachwissenschaftliche Grundlagenforschung hinzugezählt werden müssen. Gegenwärtig ist dieses Geschäftsfeld noch kaum daran beteiligt, den wirtschaftlichen Erfolg von NetCon zu sichern. Aber man kann prognostizieren, dass eine neue Generation von Suchmaschinen entstehen wird, die solche semantischen Ansätze verwirklichen werden. Augenblicklich sagen die Beobachtungen, dass Xinoah mit dem vorliegenden Ansatz noch relativ allein unterwegs ist, man hat also noch einen erfreulichen Produktvorsprung gegenüber anderen Systemen am Markt. NetCon versucht deshalb mit 5 Projekten noch in diesem Jahr das System weiter in die Anwendung zu bringen.

Generell soll das kommende Jahr eine deutliche Vorwärtsentwicklung von Xinoah bringen. Einmal geht es darum, Xinoah in Unternehmen zu platzieren. Das heißt, es wird dann als Unternehmens-Suchmaschine auf alle unternehmensinternen Dokumente als auch auf all das, was im Internet oder anderweitig öffentlich zugänglich ist, angewendet.

Ein zweiter Weg, der in diesem Jahr ebenfalls begonnen wurde, ist die Errichtung sogenannter Fachportale. Die werden im eigenen Haus gehostet und bestimmten Fachgruppen wird dazu der Zugang gewährt im Rahmen der typischen Bezahlmodelle, die es dafür gibt. Im Augenblick ist im Fokus ein Rechtsportal, analog zu Juris oder ähnlichem, bei denen aber noch traditionell gesucht wird. Es ist auch an ein Medizinportal gedacht, wobei man da noch sehen muss, wie sich das ausbauen lässt.

Wo es darum geht, auch externe Quellen wie etwa das Internet einzubeziehen, wird man natürlich so vorgehen müssen, dass es sich um definierte oder doch wenigstens eingegrenzte Quellen handeln muss. Das ist ja auch sonst der Fall, wenn ein Unternehmen Informationen sucht. Es erscheint für das automatische Knüpfen eines Wissensnetzes nicht sinnvoll, das gesamte Internet abbilden zu wollen wie etwa bei Google.

Stephan Gruber zeigte sich zuversichtlich, dass dieser neue Unternehmenszweig jetzt an der Schwelle angekommen ist, wo man erkennen kann, welches enorme Potenzial in dieser Neuentwicklung steckt und dass Xinoah bald auch ein wesentliches wirtschaftliches Standbein des Unternehmens sein sollte.

Dr. Gerhard Kämpfer
Mitglied des Redaktionsteams

Ausgabe 4/2009