Am 8. April 2009 trafen sich 13 interessierte VDI - Mitglieder aus Leipzig/Halle zur 2. Baustellenbesichtigung am Rohbau des 4. Erweiterungsbaues der Nationalbibliothek (Deutsche Bücherei) am Deutschen Platz in Leipzig. Eine erste Baustellenbegehung betraf bereits die gewaltige Fundamentierung dieses Komplexes.
Der Neubau soll das Buch - und Schriftenmuseum, Magazine zur Lagerung und einen großen Lesesaal beherbergen. Er besteht fast vollkommen aus einer monolithischen Stahlbetonkonstruktion, die mittels Verschalung oberflächenfertig ohne weitere Maler - und Tapezierarbeiten entstanden ist. Dazu musste im Vorfeld der Baubetrieb eine provisorische Schauwand errichten, um den Endeindruck der Betonoberfläche nach dem Entfernen der Verschalung beurteilen zu können. Das gestellte Ziel wurde im Wesentlichen in guter Qualität erreicht. Die Baukosten von 50 Millionen Euro werden um etwa 9 Mio. überschritten, da im Innenhof des Altbaues noch das Musikarchiv aus Berlin übernommen und angesiedelt werden soll. Der Rohbau ist fast fertig. Die Stahlbetonkonstruktion muss erhebliche Lasten aus den Büchermagazinen und aus dem Eigengewicht aufnehmen. Es gab natürlich auch Entsetzen über den Einsturz des Stadtarchivs der Stadt Köln vor einiger Zeit. Es kann aber trotz der teilweise im Baugrund vorgefundenen Braunkohle von viel stabileren Verhältnissen als im Bereich einer Flusslandschaft ausgegangen werden. Und der Citytunnel ist weit weg. Also eindeutig - Entwarnung.
Parallel zum Neubau werden die in den Jahren 1976/77 errichteten Büchertürme eingerüstet und erhalten eine moderne Verkleidung. Das noch sichtbare rote Stahlrohr für den Bücher - und Personentransport wird demnächst entfernt. Eine andere Transporttechnologie wird installiert.
Nicht alltäglich ist, dass die großen zum Deutschen Platz hin auskragenden massiven Stahlbetondecken für den Lesesaal nach oben hin mit kräftigen stählernen, runden Spannstäben gehalten werden, die in Zugrichtung schräg und sichtbar angeordnet wurden. Eine weitere Überraschung bietet die Dachkonstruktion, die aus verleimten Dachbindern in Holz ausgeführt wird.
Und es gibt noch einen Zusatz. Eine vorhandene alte Trafostation am Rande des neuen Gebäudekomplexes wird als sog. architektonisches Kunstwerk mit einer geschwungenen netzartig wirkenden Stahlbetonkonstruktion verhüllt.
Große Bedeutung für den Gebäudekomplex haben der Brandschutz und die Klimatisierung bezüglich stabiler Luftfeuchte und Temperatur. Die Wärme - Kälte- Technik soll ökologisch durch eine moderne geothermische Anlage realisiert werden. Dazu müssen demnächst 40 Bohrungen bis in 150 Meter Tiefe eingebracht werden.
Die neue Fassade wird sich von der alten Architektur der Jahre 1914/16 durch große Metall - und Glasflächen wesentlich absetzen. Es entstehen im neuen 4. Erweiterungsbau 14 000 Quadratmeter Lagerfläche auf 3400 Quadratmetern Grundfläche.
Die VDI - Mitglieder des AK Bautechnik bedanken sich bei Frau Diplom-Ingenieur Twardy für die Organisation und beim Bauleiter vom Sächsischen Immobilien - und Baumanagement (SIB) - Herrn Gohr für die sachkundige Baustellenführung. Eine 3. Besichtigung während der interessanten Ausbauarbeiten ist bereits vereinbart worden.