
Seit Anfang Oktober 2008 kann man Wein im Internet mit den Augen „schmecken“: das Portal www.aromicon.de der gleichnamigen halleschen Firma
aromicon GmbH, erlaubt es seinen Nutzern, Wein virtuell zu verkosten. Wie geht das zu?
Die Aromen, die den Geschmack von Wein bestimmen, werden in Grafiken und kleinen Filmen dargestellt: Wie das Bukett des Weins steigen in einem Weinverkostungsglas die Haupt- und Nebenaromen in Gestalt kleiner Filme z.B. Kirschen und Johannisbeeren umeinander kreisend auf. Der Nutzer kann die Animation mit der Maus anhalten und sich die eine Erklärung anzeigen lassen. Die Darstellung löst Geschmacksassoziationen und eine lebendige Vorstellung, wie der Wein schmecken könnte, aus.
Als sich die
aromicon GmbH Ende September 2008 gründete, hatte das Projekt Virtuelle Weinverkostung bereits einige Jahre Entwicklungszeit hinter sich. Es entstand 2004 aus der Diplomarbeit eines der Firmengründer:
Daniel Ackermann diplomierte auf dem Gebiet Design zum Thema Geschmacksvisualisierung an der
Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle (
Burg). 2005 wurde das Verfahren patentiert und seitdem mit einigen Preisen ausgezeichnet (Gründerwettbewerb „Mit Multimedia erfolgreich starten“ 2005 und IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2006).

Das Gründernetzwerk
UNIVATIONS unterstützte und begleitete das Projekt, das unter dem Arbeitstitel Wein-X im Rahmen des
Exist-Gründerstipendiums für ein Jahr durch das
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und die Europäische Union gefördert wurde.
Die beiden
Gründer, Daniel Ackermann und Alf Jahn, verstanden vor dem Projekt von Wein nicht mehr als andere Gelegenheitsweinkäufer. Etwas hilflos und unberaten studierten sie vor dem Weinregal im Supermarkt das eine oder andere Etikett und hatten Mühe, sich zu entscheiden... Heute verstehen sie deutlich mehr von Wein, obwohl Alf Jahn meint: „Weinkenner sind wir noch lange nicht!“ Nicht nur die Weinkunde war für ihn eine neues Gebiet, sondern auch die Arbeit für das Internet. Der Hallenser hatte nach einer Lehre als Werkzeugmacher Maschinenbau in Riesa, Leipzig und Merseburg studiert und mehrere Jahre als Ingenieur gearbeitet, unter anderem bei der Firma Braun in Frankfurt/Main, wo er einen patentiertes Rasiererreinigungsgerät entwickelte, das auf dem Markt sehr erfolgreich wurde. Ab 2000 war er für fünf Jahre an der
Burg als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Industriedesign tätig. Hier lernte er den Designer Daniel Ackermann kennen, mit dem er zusammen das Projekt und die Geschäftsidee des Weinportals entwickelte.

aromicon bewirbt Weine von Online-Weinhändlern und Winzern mit den Aroma-Animationen und leitet die Nutzer dann auf die Shops der Anbieter weiter. Dafür zahlen diese eine Provision (Affiliate-Marketing).
Die Weinhändler stellen ihr Sortiment selbst in die Datenbank des Portals ein und beschreiben die Weine per Mausklick nach vorgegebenen Geschmackskriterien. Die Visualisierung des Weingeschmacks nach ihren Vorgaben geht dann automatisch vor sich. Pilotkunden sind ebrosia aus Delitzsch einer der großen Weinhändler Deutschlands , der Spitzenwinzer André Gussek, dessen Weine aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut stammen, sowie das Bio-Weindepot aus Göcklingen (Rheinland-Pfalz), das ökologisch produzierte Weine aus ganz Europa anbietet. Für surfende Weinkonsumenten und -interessenten bietet das Portal einiges an Mehrwert: Sie können mit Hilfe einer Suchfunktion, des Weinfinders, Weine nach ihren Wünschen aussuchen und sich anzeigen lassen, sich im Wein-Wiki zusätzliches Weinwissen erwerben und werden in Zukunft auch Weine selbst bewerten können.
aromicon ist inzwischen auf sieben Mitarbeiter angewachsen. Neben den Gründern arbeiten zwei Programmierer, ein Animationsspezialist, eine Screendesignerin und eine Mitarbeiterin für PR im Team mit. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg des Portals ist ihnen allen eines wichtig: Internetnutzern den Weg zum Wein, einem der ältesten Genussmittel der Menschheit, mit Phantasie und Spaß zu ebnen.