Exkursion des Arbeitskreises Umwelttechnik nach Münster (1)

Für die große Wochenend-Exkursion des AK Umwelttechnik hatten sich in diesem Jahr 15 Teilnehmer gefunden. Die individuelle Anreise nach Münster erfolgte am 29.05.2008, wo zur Einstimmung und zum  Tagesausklang am Abend eine ca. 2-stündige Führung durch die schöne Altstadt stattfand. Das 1. Ziel des Fachprogramms war am Freitagvormittag die Mechanisch-biologische  Restabfallaufbereitungsanlage MBRA der Abfall Wirtschaftsbetriebe in Münster-Coerde. Damit fand ein fast auf den Tag genau vor 10 Jahren  stattgefundener Besuch an gleicher Stelle seine Fortsetzung. Damals war eine entsprechende Pilotanlage unser Ziel gewesen. Von 1996 bis 1999 wurde das Konzept der mechanisch-biologischen Abfallaufbereitung  mit dieser Pilotanlage überprüft. Auf der Basis der Forschungsergebnisse wurde von der Firma Rethmann (Lünen) die MBRA errichtet. Die Anlage ist nunmehr seit 2003 mit dem mechanischen Teil in Betrieb, der biologische Teil arbeitete erstmals im Jahr 2006 durchgängig. Verarbeitet wird das gesamte Restmüllaufkommen der Stadt Münster. Das waren im Jahr 2006 knapp 174.000 t  Siedlungsabfälle von denen 84 % verwertet wurden. Die zu deponierenden Reststoffe konnten somit auf ca. 27.500 t reduziert  werden. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 1996 noch knapp 111.000 t, die auf die Deponie gingen. Die Führung durch die Anlage hatte wie beim letzten Besuch vor 10 Jahren Herr Dipl.-Ing. Woestmann übernommen.

Die Anlage besteht im Wesentlichen aus 3 Hauptteilen: der Annahme und  mechanischen Aufbereitung, der Vergärung und Gasspeicherung und der Tunnelrotte. Der angenommene Restabfall wird nach Entfernung großer Störstoffe auf eine Körnung < 300 mm zerkleinert. In 2 Siebungen erfolgt die  Abtrennung der Feinfraktion < 50 mm, die nach Abscheidung von Eisen-und Nichtmetallanteilen der Biologie zugeführt wird. Die Fraktionen 50 – 120 mm und 120 – 220 mm werden in 2 Straßen über mehrere Trennstufen (Windsichtung, Fe- und Ne-Scheider, Autosortgeräte für Papier, Pappe, Kartonagen und Kunststoffe) in Teilströme zerlegt, die der stofflichen und energetischen Verwertung zugeführt werden. Ein Anteil von 2/3 der Feinfraktion < 50 mm wird im einstufigen Trockenvergärungsverfahren bei ca. 48-55° C anaerob mit einer Verweilzeit von 21 Tagen zu Biogas umgesetzt, das im BHKW verstromt  wird bzw. in der Regenerativen Thermischen Oxidation zur Abluftbehandlung eingesetzt wird. Prozesswasser wird im Kreislauf gefahren, sodass eine Abwasseraufbereitung entfällt. Die Feststoffe der Vergärung werden zusammen mit dem restlichen Drittel der Feinfraktion einer Tunnelrotte zugeführt, in der die restlichen organischen Bestandteile oxidiert werden. Nach 6 Wochen werden die Reststoffe in Container verladen und der Deponie zugeführt.

Herr Woestmann begleitete uns nach der Besichtigung der Anlage zu einem nur wenige hundert Meter entfernten weiteren Teilstück der Münsteraner Abfallwirtschaft: der von den Stadtwerken Münster betriebenen Bioabfallvergärung. Diese Anlage konnte im Nov. vorigen Jahres auf ihr 10-jähriges Bestehen zurückblicken. Das Bioabfallaufkommen der Stadt Münster mit jährlich ca. 18.000 t wird hier nach entsprechender Aufarbeitung und Abtrennung von Störstoffen in 15 Tagen unter Luftabschluss bei 55° C in einem  Nassvergärungsverfahren zu Biogas und ausgefaultem Gärrückstand verarbeitet. Die Reststoffe werden nach Entwässerung als Frischkompost abgegeben. Das Biogas wird im benachbarten Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Münster in Strom und Wärme umgewandelt.

Nach diesen beiden interessanten Betriebsbesichtigungen galt unser Dank Herrn Woestmann, der alles hervorragend vorbereitet hatte. Alle Teilnehmer hatten sich eine kleine Erholungspause im nahe gelegenen „Gartencenter Münster“ verdient, bevor am Nachmittag ein weiterer interessanter Betriebsbesuch auf dem Programm stand.


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Ausgabe 4/2008