Lagerstätten- und Industrieplanung Steine-Erden
Die 12. Beratung des Arbeitskreises Tonrohstoffe im UVMB am 2. und 3. September 2008

Die 12. Beratung des Arbeitskreises Tonrohstoffe im Unternehmerverband Mineralische Baustoffe e.V. Berlin der Länder Mitteldeutschlands und Berlins (UVMB) fand am 2. und 3. September 2008 statt.

Teilnehmer des Arbeitskreises sind Mitglieder und außerordentliche Mitglieder des UVMB sowie weitere interessierte Abbauunternehmen, Fachingenieurbüros, Laborbetriebe und Fachleute mit Interessenübereinstimmung zum Arbeitskreis. Die Teilnehmer stammen in Übereinstimmung mit dem Geschäftsbereich des UVMB aus den neuen Bundesländern.

Im Arbeitskreis werden die Interessenübereinstimmungen der Ton-Abbauunternehmen behandelt:

- Gewinnung und Aufbereitung von Tonrohstoffen (Bundesbergrecht oder Länder-Abbaurecht)
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Sicherung der Verfügbarkeit von Lagerstätten (Rohstoffsicherung, Landes- und Regionalplanung, Sicherungszeiträume mind. 100 Jahre, Neudefinierung von Vorranggebieten für die langfristige Rohstoffsicherung mit anderer Raumnutzung vor und nach dem Rohstoffabbau)

- Eignung und Veredelung von Tonen für breite Anwendungsfälle
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Sicherung der Erreichbarkeit von Lagerstätten (Zuwegung)

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Maßnahmen zur Akzeptanzsicherung bei Nachbarn/Bevölkerung, Behörden und Verbänden

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Arbeits- und Betriebssicherheit, verantwortliche Personen

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Verfüllung von ausgetonten Lagerstätten und –teilen

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Verantwortung bei Betriebseinstellungen von Gruben, fachliche Befähigung von Insolvenzverwaltern für Gruben.



Die Beratungen des Arbeitskreises ermöglichen unmittelbare Kontakte zwischen den Unternehmen und den Behördenvertretern außerhalb von Amtsstuben und Betriebskontrollen. Der Arbeitskreis hat sich zum Podium einer erfolgreichen Arbeit der Abbaubetriebe mit den Geologischen- und Bergbau-Fachbehörden entwickelt. 

Eingeladen hatte zum 2. und 3. September 2008 aus Anlass von 190 Jahren Kaolin- und Tonabbau in Lagerstätten im Umfeld von Halle (Saale) die Kaolin- und Tonwerke Salzmünde GmbH.

Gefolgt wurde dem Vorschlag des geschäftsführenden Gesellschafters Herr Rohrmoser, eine gemeinsame Beratung mit dem Fachausschuss Rohstoffe der Deutschen Keramischen Gesellschaft e.V. Köln zu durchzuführen. Es nahmen etwa 100 Fachleute teil.

Begonnen wurde mit der Befahrung der Tongrube Rossbach bei Merseburg mit ihren weißbrennenden Tonen. Dieser Tagebau ist etwa 270 ha groß. Hier gewinnt das Unternehmen selektiv 12 verschiedene Rohstoffe. Daraus werden, gegebenenfalls mit Einbeziehung von Kaolinen und Tonen anderer Vorkommen, Standardmischungen und kundenspezifische Mischungen hergestellt. Das Qualitätsmanagement mit Probenahmen und Qualitätskontrollen sowie mit den Eigen- und Fremdüberwachungen wurde erläutert.

Im Raum Halle sind weitere ca. 450 ha neben dem vorhandenen Tagebau im Bergwerkseigentum für den Rohstoffabbau geschützt.

Das Unternehmen verfügt über etwa 1.600 ha an Ton-, Kaolin-, Bentonit- und Feldspatlagerstätten, die sich im Bergwerkseigentum befinden.

Getrennt trafen sich nach der Befahrung des Tagebaus die tonabbauenden Unternehmen in der  Unternehmerstunde des UVMB und die Mitglieder des Fachausschusses Rohstoffe in der DKG zu einem Gespräch.

Am Abend lud das Unternehmen zu einem TON-Abend mit Musik ein. Der Vortragstag fand in der Pfännerhall Braunsbedra statt. Das ist die ehemalige Zentralwerkstatt des Braunkohlenkombinates Geiseltal am künftigen Geiseltalsee, welcher zurzeit langsam geflutet wird. Die Pfännerhall ist heute eine Veranstaltungshalle mit dem besonderen Ambiente eines vergangenen technischen Zeitalters.

Der Vortragtag begann mit Grußworten von Politikern und Fachleuten an den  Traditionsbetrieb und an dessen erfolgreiche Führung in den Zeiten der Marktwirtschaft. Der Künstler Hans Rothe übergab eine Sammlung von Bildern.

Herr Rohrmoser schilderte die Anfänge des Kaolin- und Tonabbaues seit 1818, damals vorrangig für die Königliche Preußische Porzellanmanufaktur Berlin und für  Porzellanfabriken in Thüringen. In der waldarmen Umgebung von Halle wurde Brennholz vorrangig für die Salzsiedereien genutzt, so dass dort eigene Porzellanfabriken keine gesicherte Brennstoffgrundlage hatten. Das Monopol der Porzellanmanufaktur Meißen am Rohstoff- und Produktionsgeheimnis war damals zwar gebrochen, aber Sachsen verweigerte damals den Export der bewährten sächsischen Kaoline nach Preußen.

Herr Professor Störr beschrieb die Entstehung der mitteldeutschen Kaoline sowie deren Bestandteile und Nutzungen. Er verglich diese Lagerstätten mit denen Europas und erläuterte moderne mikroskopische Untersuchungsmethoden. 

Herr Rohrmoser unterbreitete seine Gedanken zu innovativen Weiterentwicklungen, z. B. zur Verbreiterung von Sinterintervallen, zur Brenntemperaturerniedrigung, zu erhöhten Maschinendurchsatzleistungen, zum Einsatz zweckmäßiger Energieträger und auch zur Nutzung von Kaolin als Korrossionsschutzmittel im Hochtemperaturbereich.

Frau Dr. Emmerich und Herr Dr. Schuhmann sprachen über die keramische Forschung an Nano- und Mikro-Partikeln, über Struktur- und Funktionsbeziehungen für technische Anwendungen, über unterschiedliche Verarbeitungseigenschaften bei annähernd gleichen Rohstoffen hinsichtlich chemischer und mineralogischer Zusammensetzungen und über den Einfluss unterschiedlicher Feuchtezustände. Anwendungen ergeben sich bei Grenzzuständen in der Kaolinaufbereitung und bei der Abdeckung untertägiger Deponien.   

 Herr Dr. Engels berichtete über Forschungsarbeiten mit Tonen und Additiven. Er beschrieb traditionelle Laboruntersuchungen mit Partikeln im Nano-Bereich und deren Umsetzungen in praxisrelevante Kennzahlen zur Verbesserung von Verarbeitungseigenschaften.

Herr Dr. Winterstein stellte die Wirkungsweisen von Dieselpartikelfiltern aus den üblichen Einsatzmaterialien Siliziumkarbit, Cordierit und Mullit vor. Während das Abgas die extrem dünnen und porösen Filterwände ohne wesentlichen Druckverlust passieren muss, wird die abgeschiedene Rußschicht abgebrannt. Probleme bereiten die Aschen aus Additiven im Dieselkraftstoff, welche wenig verbrennen und die Lebensdauer der Rußfilter herabsetzen. Zurzeit werden jährlich etwa 7 Millionen Stück benötigt davon etwa 5 Mio. Stück in Europa.

Frau Spring berichtete über die Versuchsanlage für Dieselpartikelfilter von DOW-Automotive im nahen Schkopau mit keramischem Rohmaterial aus Frankreich. Herzstück ist ein Mullitreaktor (Autoklav), welcher die erforderliche Mikrostruktur der Fasern im Filterkörper über den Druck einstellt. Noch 2008 wird eine Großanlage von DOW in Nordamerika realisiert. Bis 2014 sind 2 weitere Großanlagen in Schkopau vorgesehen. Der Tonbedarf pro Anlage beträgt ca. 550 t pro Jahr. Eine Rohstoffbereitstellung aus Mitteldeutschland wird angestrebt.

Herr Rechtsanwalt Dr. Schulz stellte die zwei sog. Tongrubenurteile des Bundesverwaltungsgerichtes von 1994 und von 2005 dar, welche die Verfüllung von Tagebauen im Rahmen bestehender Genehmigungen als Verwertung eingeordnet haben. Die Nutzung von Volumen und Eigenfestigkeit der Füllmaterialien ist wesentlich, nicht die Inhaltsstoffe. Einzuhalten ist das bestehende Bodenschutzrecht, während die sog. LAGA M 20 vom Bundesverwaltungsgericht nur als Empfehlung von Sachverständigen eingestuft wird. 

Das dritte Tongrubenurteil des Oberverwaltungsgerichtes Koblenz vom 19.11.2007 bestätigt diese Feststellungen und legt erstmals fest, dass die Vorsorgewerte des Bodenschutzrechtes für das Verfüllungsmaterial selbst gelten.

Bestehende behördliche Zulassungen und Genehmigungen für die Verfüllung gelten zunächst weiter. Behördliche Widerrufe und eine nachträgliche Verschärfung der Anforderungen an die Verfüllung müssen fachgesetzlich begründet sein und können andererseits zu Schadenersatzforderungen von Unternehmen führen.

In der Vorbereitung sind die sog. Ersatzbaustoff-VO sowie eine Änderung der Bundes-Bodenschutz- und Altlasten-VO durch das Bundesumweltministerium, welche künftig Verfüllungen auch unter dem durchwurzelbaren Bereich regeln soll. Zu diesen VO-Entwürfen besteht von den Unternehmen und Verbänden eine sehr kritisierende Einstellung.

Frau Müller stellte die aktuelle Organisation des Güteschutzes für Ziegel in der Bundesrepublik vor. Der „Güteschutz Ziegel e.V.“ mit Sitz in Dresden erfasst nördlich der Linie Aachen-Gießen-Dresden z.Z. 79 Hersteller von Hinter- und Vormauerziegeln, von Mauer- und Pflasterklinkern, von Dachziegeln und von sonstigen keramischen Produkten. Neben den deutschen Mitgliedsunternehmen werden auch Unternehmen in Polen und in Tschechien werden vom Güteschutz überwacht und zertifiziert.

Herr Reuter, Geschäftsführer des UVMB, informierte über den beschlossenen Wechsel des Sekretärs des Arbeitskreises Tonrohstoffe. Herr Dr. Eiserbeck aus Magdeburg übernimmt ab sofort diese Funktion. Herr Reiche wird ihn für ein Jahr begleiten.

Die 14. Beratung des Arbeitskreises Tonrohstoffe findet am 8. und 9. September 2009 im Hotel Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz statt. Vorgesehen ist die Befahrung der Tongrube Neukirchen und einer sanierten Wismuthalde bei Bad Schlema.

Dipl.-Ing. Dieter Reiche 


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Ausgabe 4/2008