
Im Ergebnis des gemeinschaftlichen Forschungsprojektes „vr-silo“ der vr|fabrik virtual reality + multimedia gmbh Halle mit dem Studiengang VR-Konzeption der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein möchte das Unternehmen mittelständische Firmen anregen, ihre eigenen 3D -Welten zu betreiben. Im Gegensatz z.B. zu Second-live behalten die Firmen dabei die vollständige Kontrolle über ihre Daten. Die Rechenlast wird auf die Webbrowser der Anwender verteilt, so dass die Lösung ohne aufwendige Hochleistungsserver auskommt.
Die zugrunde liegende ċ-Cells-Technologie befasst sich mit einer der zentralen Herausforderungen unserer Zeit: der Verwaltung von riesigen Informationsmengen und der Beherrschung von Komplexität bei der Lösung komplexer Probleme. Das betrifft speziell solche Problemfelder mit hohem Alltagsbezug wie z.B. die ´Abbildung´ komplexer Organisationsstrukturen von Firmen, die Präsentation komplexer Produkte vom ´High-Tech-Auto´, über den A380 bis zur ISS oder die Simulation komplexer Prozesse wie die globale Lenkung von Verkehrsströmen mittels GPS, die virtuelle Luftkanalsimulation für den A380 oder auch die Klima- und Wettersimulationen, …
Die Lösung derartiger Problemstellungen ist direkt verbunden mit der Beherrschung der Informationsflut, der Art der Kodierung und Speicherung von Informationen und Wissen und der Effizienz des Zugriffs auf dieses Wissen. Hierfür bieten sich virtuelle Handlungsräume als Problemlösungsräume und Versuchslabore an.
Das vom BMWi geförderte Projekt zielt deshalb zum einen auf den effizienten Aufbau virtueller Modellräume und die Suche nach alternativen Formen der Wissensspeicherung und zum anderen auf die Suche nach alternativen Interfaces zwischen der realen Welt der Handlungsakteure und der virtuellen Welt der Experimentalräume.
Im Zentrum des modellbasierten Lösungsansatzes steht die ċ-Cells-Technologie. Die ċ-Cells-Technologie zielt auf die Beherrschung komplexer Problemfelder mit hohem Alltagsbezug unter direkter Nutzung des enormen Komplexitätsbeherrschungsvermögens v. a. durch unser visuelles Wahrnehmungssystem. Dieses Vermögen wird bestimmt durch die hochgradige Merkmalsdifferenzierung von Farben und Texturen, von Körperformen und Raumtiefe, von Licht und Schatten, von Ruhe und Bewegung sowie durch das integrative Vermögen zur (kognitiven) Raum-Rekonstruktion in Echtzeit. Eine bildhafte, gegenständlich-szenische Kodierung von Informationen und Wissen auf der Grundlage derartiger Merkmale schafft eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung des Potentials unseres visuellen Systems. Daran knüpft die ċ-Cells-Technologie direkt an.
Kernkomponenten der ċ-Cells-Technologie sind:
die duale, d. h. verbal-sprachliche und nonverbal-bildhafte Kodierung von Informationen mit der Möglichkeit zur Nutzung moderner Suchstrategien (´semantische Netze´) in virtuellen Szenarien.
die virtuelle Vergegenständlichung von Informationen und deren In-Szene-Setzung (Inszenierung)
die sukzessive Parzellierung des virtuellen Modellraums mit Hilfe von virtuellen, normierten und dual erlebbaren Körper-Raum-Zellen (Handlungszellen) - mit besten Voraussetzungen für den Aufbau von Zellen-Datenbanken
die Erhöhung der Handlungs-Orientierung durch Trennung von verallgemeinerter Formanlage und konkreter Gestaltgebung
eine lokal angelegte, primär navigativ-szenische Zellen-Vernetzung
die lokal wechselnde, immersive Einbettung des realen Handlungsakteurs durch Interface- bzw. Personalzellen
die Verbesserung der Nutzungsführung für die initiierten Handlungsaktionen durch explizite ´Aktions-Führungshilfen´.

Zu den alternativen Formen der Wissensspeicherung gehören mnemotechnisch angelegte Speichergebilde. Die Grundlage hierfür ist sowohl die Dualität von ´Inhalt´ und ´Form´ als auch das Wechselspiel von ´Figur und Grund´ und ´Körper und Raum´. Der virtuelle ´VR-Projekt-Silo´ greift eine „Hochhaus-Metapher“ mit den Hierarchien von Haus Etage Raum auf und hüllt das ´Ganze´ in eine abgeschlossene Körperform. Das Wechselspiel von prägnanter, äußerer Erscheinung durch eine Körperform und der modularen, inneren Strukturierung des Raumes entspricht der Formgliederung ´natürlich gewachsener Gebilde´ und korrespondiert mit dem Charakter der visuellen Wahrnehmung des Menschen. Wissensspeicher mit diesen Qualitätsmerkmalen verbessern sowohl die Ablage als auch das natürliche Wiederfinden von ´virtuell-vergegenständlichten´ Informationen. So können die Projekte einer Firma virtuell in den eigenen Modellräumen mnemotechnisch abgelegt und geordnet werden und liefern damit das Potential für eine effiziente Suche.
Zu den alternativen Interfaces gehören Interface-Zellen (Personalzellen) mit Sichtwechsel zwischen ´erster´ und ´dritter´ Person, wie sie in vielen Computerspielen zu finden ist. Hier wird der Nutzer mit seinen Alltagserfahrungen und seiner ´natürlichen´ Wahrnehmung und Informationsverarbeitung direkt und immersiv in den virtuellen Handlungsraum eingebettet. Das erst schafft die Voraussetzung, das hocheffiziente Zusammenspiel von Wahrnehmen, Denken und Handeln in der Realität auch auf virtuelle Handlungsräume zu übertragen. Derartige Interfaces erfassen auch den Handlungsbereich der Kommunikation - sowohl im Sinne einer ´interpersonellen´ Kommunikation zwischen Akteuren als auch den Informationsaustausch zwischen ´Dingen´ und Personen wie es in der Realität z.B. mit Hilfe der RFID-Technologie realisiert wird.