TOTAL Raffinerie modernisiert Destillation - Bauarbeiten laufen bis Frühjahr 2008
Die TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH modernisiert die Destillation, das Herzstück der Erdölverarbeitungsanlage. Mit einem Aufwand von 51 Millionen Euro sei dies die bislang größte Investition seit dem Bau der Raffinerie, sagt Geschäftsführer Reinhard Kroll. Das nun begonnene Bauvorhaben, das bis zum Frühjahr 2008 abgeschlossen sein soll, diene vor allem dem Ziel, "unsere Produktpalette den Erfordernissen des Marktes anzupassen". Bei diesem Projekt geht es darum, den Anteil von Ottokraftstoffen zugunsten von Mitteldestillaten zu verringern. Mit der angestrebten Mengenverschiebung zugunsten von Diesel und Kerosin kann Deutschlands jüngste Raffinerie ihre gute Position am Markt sichern. Das Spergauer Unternehmen reagiert mit dieser aufwendigen Baumaßnahme darauf, dass der Absatz von Benzin in Deutschland und in Europa tendenziell rückläufig ist, von den Kunden aber um so mehr Diesel und Kerosin nachgefragt werden. In Mitteldeutschland trägt dazu auch der Ausbau des Flughafens Leipzig-Halle zu einem Luftfracht-Drehkreuz von DHL bei.
Die Erneuerung der Destillationsanlage, die sich im südlichen Bereich der Raffinerie auf einer Fläche, so groß wie drei Fußballfelder erstreckt, wird im wesentlichen bei laufendem Betrieb erfolgen. Das betrifft vor allem den Bau eines etwa 20 Meter hohen Apparategerüsts, auf dem zusätzliche Aggregate, darunter acht Wärmetauscher, Platz finden sollen. Auch die neuen Rohrleitungen an den Kolonnen, die benötigt werden, um später die bei der Destillation anfallenden Zwischenprodukte entnehmen zu können, sollen größtenteils bei laufendem Betrieb installiert werden. Erst in den letzten sieben Wochen der Baumaßnahme muss die Destillation abgeschaltet werden, um auch das Innenleben der Kolonnen erneuern zu können. Dieser Zeitraum fällt in die letzte Phase der für das Frühjahr 2008 geplanten Generalinspektion, bei dem die gesamte Erdölverarbeitungsanlage komplett abgeschaltet wird.
Die Destillation ist der erste Verfahrensschritt der Rohölverarbeitung. In dieser technologischen Stufe wird maßgeblich über die Verarbeitungskapazität der Raffinerie entschieden. Sie liegt in Spergau bei jährlich 11,1 Millionen Tonnen. Zu den technischen Ausrüstungen, die das äußere Bild der Destillation prägen, gehören zwei kastenförmige Öfen von der Größe eines Einfamilienhauses. In ihnen wird das Rohöl auf Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius erhitzt. Zur Destillation gehören fünf Kolonnen, von denen die der Atmosphärischen Destillation mit 65 Metern und die der Vakuumdestillation mit 55 Metern herausragen.
Zu der 51-Millionen-Euro-Investition gehört auch der Neubau eines Tanks. Der rund 15 Meter hohe Behälter mit einem Fassungsvermögen von 15 000 Kubikmetern wird benötigt, um das künftig zusätzlich produzierte Kerosin zu lagern.
Die Modernisierung der Destillationsanlage hat neben der veränderten Produktionsstruktur noch einen zweiten positiven Effekt. Die erneuerten Öfen werden künftig insgesamt rund fünf Prozent weniger Heizgas benötigen. Das reduziert nicht nur die Energiekosten der Spergauer Raffinerie, sondern bewirkt zugleich eine deutliche Verringerung ihres CO2-Ausstoßes, was dem Klima- und Umweltschutz zu Gute kommt.
Das Baugeschehen rund um die Destillationsanlage wird in Spitzenzeiten von bis zu 100 Arbeitskräften aus Fremdfirmen bestimmt. TOTAL hat einen wesentlichen Teil des 51-Millionen-Auftrags an mittelständische Unternehmen aus der Region vergeben. So führt beispielsweise die Spergauer Firma Rohde Kommunikations-, Elektro- und Baugesellschaft mbH Bauarbeiten, wie das Gießen von Fundamenten, aus.
Fakten und Zahlen zum Projekt:
Gesamtinvestition:
51 Millionen Euro
Zeitraum, Planung und Realisierung:
2006 bis 2008
Gesamtzahl der Arbeitsstunden:
rund 100 000
Ausführende Arbeitskräfte:
etwa 100
Neue Hauptausrüstungen:
8 Rohrbündel-Wärmetauscher,
1 Luftkühler und 1 Luftvorwärmer
4 Pumpen
3 Gebläse
Rohrleitungen mit einem Gesamtgewicht von 200 Tonnen
15000 m³-Tank