Politisch interessierte Senioren/innen besuchen u. a. auch Veranstaltungen der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nahe). Ebenda hat sich zufällig ein Kontakt ergeben zur Akademie Rosenhof e. V. in Weimar. Dort engagiert sich Professor Heiner Timmermann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena als deren Vorstandsvorsitzender und organisiert Seminare zur politischen Bildung. So kam es kurzfristig zu einer Schnuppertour (auf eigene Kosten per Bus/Bahn) von 15 interessierten Halleschen Senioren/innen zusammen mit Bürgern aus Jena, Erfurt, Gotha und Weimar unter der Thematik „Die NATO als Sicherheitsfaktor Sicherheits und Europapolitik auf dem Prüfstand“ vom 27. 30.04.2008 nach Brüssel.
Prof. Timmermann gab zunächst einen Überblick zur europäischen Geschichte, von der von den Griechen „erfundenen“ Demokratie, die bekanntlich in Deutschland, Österreich und Italien zwischendurch zur Diktatur verkommen war, bis hin zur Gegenwart.
1948 wurde der gegen den sog. Kalten Krieg geschaffene europäische Brüsseler Militärpakt unter transatlantischer Erweiterung zu NATO. Der Wirtschaftspakt Montanunion von 1950 verwandelte sich durch Erweiterung 1964 zur Europäischen Gemeinschaft und 1983 zur Europäischen Union. Diese hat unterdessen ein Regelwerk von 90.000 Seiten geschaffen und beschäftigt 25.000 Bedienstete. So begann die Bildungs- und Informationsveranstaltung bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Dort wurde der neueste Stand zum 2007 verabschiedeten Lissabon Vertrag vorgetragen. Es wurde betont, dass insgesamt die EU der Bevölkerung besser erklärt werden muss, denn es gibt ein erhebliches Kommunikations- und Verstehensproblem. Wir vom VDI haben dazu also einen Anfang gemacht.
Anschließend erfolgte ein Informationsbesuch im EU-Büro des Freistaates Thüringen. Jedes der 16 deutschen Bundesländer betreibt eine solche Einrichtung in Brüssel. Dem schloss sich an ein Informationsgespräch beim EU-Militärstab beim Rat der EU. Hier wurde über die Schwierigkeiten der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU gesprochen, die auf drei Säulen wie Europäischer Kommission (Barroso), sozusagen das Arbeitsgremium für den Europäischen Rat das EU-Parlament, der Außen- und Sicherheitspolitik (Solana) und der Justiz und Innenpolitik. Beschlüsse können nur im Konsens der 27 Mitgliedsstaaten einstimmig gefasst werden. Das erklärt die oftmals verschwommene und windelweiche Formulierung von Erklärungen, die eben allen irgendwie gerecht werden müssen.
Höhepunkt der Tour war zweifellos der Besuch des NATO-Hauptquartiers in Mons (Kleinstadt nahe Brüssel ebenso wie das belgische Halle daneben). Dort sind 1.100 Dienstposten besetzt von 26 Partnern (z. Z. ohne Frankreich). 400 deutsche Soldaten (Offiziere) verrichten hier ihren Dienst, 800 Angehörige (Ehepartner, Kinder) leben/arbeiten im Umfeld. Das Gelände ähnelt dem eines gut bewachten Kasernengeländes mit Erweiterung für zivile Zwecke (Wohnhäuser, Kultureinrichtungen, Einkaufsmärkte, Schulen, Gastronomie, Ärzte und Dienstleister). Aktuellste Thematik waren der Afghanistaneinsatz und die Balkanmission nach dem Bukarester Treffen.
Da die Route es so hergab, wurde auf der Hinfahrt in Aachen ein Halt eingelegt. Die historische Altstadt mit dem Dom, Rathaus und Markt zeigte sich ein paar Tage vor der Karlspreisverleihung an unsere Bundeskanzlerin gut vorbereitet.
Zum Abschluss ging es nach Waterloo. Am 18.06.1815 war hier nahe Brüssel die große Schlacht von Blücher, Wellington und Napoleon. Quasi auf dem Schlachtfeld, wo Napoleon vernichtend geschlagen wurde, ist eigentlich der Grundstein eines neuen und vereinten Europas gelegt worden, welches nach Hitlers zwischenzeitlichem Größenwahn nunmehr Gestalt annimmt.
Das ursprünglich zweisprachige Brüssel (wallonisch französisch, flandrisch holländisch) partizipiert besonders erheblich bei Arbeitsplätzen und Steuermitteln vom Sitz der europäischen Einrichtungen (jetzt 23 verschiedene Sprachen). Deutschland hat natürlich dort einen Botschafter beim belgischen Staat, einen bei der EU und einen weiteren bei der NATO und betreibt die 16 Landesvertretungen. Also reichlich Organisation, Bürokratie und auch Ausgaben, die eben nur vor Ort besser erklärt werden können. Die städtischen Sehenswürdigkeiten wie EU Gebäude, Großer Markt, Königsschloss, Atomium und natürlich Menneken Pis waren Bestandteil einer Stadtbesichtigung/ -rundfahrt.
Die VDI Senioren aus Halle zusammen mit den Thüringern werden den Kontakt zur politischen Akademie Rosenhof e. V. halten und ggf. auch die anderen Europastandorte in Luxemburg und Straßburg besuchen wollen. Der Kostenaufwand war dank der Fördermittel all inclused sehr moderat.
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