Exkursion des VDI Arbeitskreises Verfahrenstechnik Mitteldeutschland zu CHOREN Industries Freiberg

© CHOREN Industries GmbHAm 24. April 2008 führte der Arbeitskreis Verfahrenstechnik Mitteldeutschland seine nunmehr 42. Fachexkursion durch, die diesmal  ins sächsische Freiberg zur Firma CHOREN Industries ging und wie immer voll ausgelastet war, was die Teilnehmerzahl betraf. Ich hatte das Glück, als Ersatzmann für einen verhinderten Teilnehmer dabei zu sein. Gerade mal eine Woche zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Anlage zur Herstellung von Biokraftstoff der zweiten Generation eingeweiht, bei der der Biosprit nicht aus Nahrungsmitteln wie Getreide, sondern aus Holz bzw. Holzabfällen erzeugt wird.

Empfangen und begrüßt wurden wir von Herrn Olaf Schulze, seines Zeichens einer der drei Geschäftsführer von CHOREN Industries, der selbst Verfahrenstechniker ist und diese Berufsgruppe als die „Zehnkämpfer der Wissenschaft“ einordnete. Zunächst erläuterte er das Kunstwort CHOREN:


C = Kohlenstoff, H = Wasserstoff, O =Sauerstoff

REN steht für Renewable Energy

und das ergibt dann CHOREN – siehe auch www.choren.com .


© CHOREN Industries GmbH Anschließend wurde uns der Werdegang des Unternehmens vorgestellt. Daran sind u.a. die Firmen Shell, VW und Daimler beteiligt, was darauf schließen lässt, dass die ganz Großen die Entwicklung neuester biobasierter Kraftstoffe nicht verpassen bzw. aus erster Hand beeinflussen wollen. Das Unternehmen ist aus dem früheren Deutschen Brennstoff Institut DBI hervorgegangen, beschäftigt derzeit etwa 250 Mitarbeiter und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der BTL – Erzeugung. In einer anschaulichen Präsentation von Herrn Schulze wurde den Teilnehmern die Produktion von Sun-Diesel aus Biomasse (Holz) erläutert. Die sogenannte „Alpha“- Anlage ist im Jahr 1997 in Betrieb gegangen und die „Beta“-Anlage zur Erzeugung von 13.500 t/a BTL aus 65.000 t/a Altholz ging 2007 ans Netz. Das Groß-Projekt konnte nicht ohne Behinderungen – so der O-Ton von Herrn Schulze – umgesetzt werden und erforderte eine etwa 10-jährige Entwicklungsarbeit. Ab 2009 soll dann der erste Kraftstoff erzeugt werden. Der nächste Schritt wird eine „Sigma“-Anlage sein mit einer Kapazität von ca. 200000t/a, die am Standort Schwedt errichtet wird.

© CHOREN Industries GmbHIn der Diskussion wurden u. a.  Fragen nach der Energie-Effizienz, dem Logistik-Aufwand, dem Wirkungsgrad und dem Einsatz geeigneter Katalysatoren   gestellt, die von dem anwesenden Kompetenzträger Dr. Althaupt  beantwortet wurden.  Über die Konkurrenz zwischen Biomasse und Nahrungsmitteln wurde ebenfalls diskutiert. Bei dem Hinweis eines Exkursionsteilnehmers auf eine parallele Entwicklung im FZ Karlsruhe zur Verwertung von Stroh in BTL wurde in selbstbewusster Weise von den CHOREN-Vertretern konstatiert, dass man dort in der Entwicklung noch etwas zurück sei. Mit Stolz berichtete die Geschäftsleitung auch, wie beim Besuch von Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich wurde, dass sie sehr gut verstanden habe, worum es mit dieser Verfahrensentwicklung  gehe.

In der anschließenden Begehung wurden uns die Anlagenbereiche von CHOREN (leider nur) von außen erläutert. Den Teilnehmern ist aber bei dieser sehr interessanten Materie bewusst geworden, dass auf dem Gebiet der Verfahrensentwicklung biobasierter Kraftstoffe von CHOREN Industries  in Freiberg in Zukunft noch einiges zu erwarten ist.

Am Ende bedankte sich unser Arbeitskreisleiter Dr. Ronald Oertel, der diese Exkursion wie im er bestens vorbereitet hatte, bei den Gastgebern mit einem kleinen Präsent für die interessante Führung und die Diskussion.

© CHOREN Industries GmbH

Dr. Bernd Schmidt
Stellvertretender Vorsitzender
VDI Hallescher Bezirksverein
Ausgabe 3/2008