Einladung aus dem Internet

Die Präsenz von Firmen aus Sachsen-Anhalt auf der CeBIT hält sich leider in überschaubaren Grenzen. Wenn dann doch über solch einen Auftritt auch im Fernsehen berichtet wird, dann ist das schon mal eine Nachfrage wert, noch dazu, wenn es sich um eine Anwendung für Jedermann handelt wie den „Freizeit- und Reiseplaner“, den die Hochschule Merseburg (FH) und die Fa. brain-SCC GmbH zusammen mit anderen Praxis- und Entwicklungspartnern gestaltet haben.

Ing-Post sprach mit Dr. Ronny Weinkauf vom Fachbereich IKS der HS Merseburg und gleichzeitig wichtigstem Vordenker bei SCC.

Ing-Post: Ist die Entwicklung inzwischen schon im Internet aktiv eingesetzt?

Dr. Weinkauf: Das, was auf www.freizeitundreiseplaner.de zu sehen ist, ist nicht eine Demo - sondern eine Testversion, mit der der Anwender im Internet schon mal die vorhandenen Funktionen ausprobieren kann. Auf der CeBIT  dieses Jahres ist das Ganze sozusagen in den Testbetrieb gegangen. Das betrifft den ersten Teil des Projektes, wo noch keine Übernachtungsplanung und Mehrtagesplanung integriert ist, wo der Anwender aber einen Ausflug zusammenstellen kann. Diese Version ist auch in verschiedenen Portalen freigeschaltet, die wir mit betreuen (beispielsweise www.burgenlandkreis.de, www.sparkasse-merseburg-querfurt.de oder den bisherigen Landkreis Merseburg-Querfurt).

Ing-Post: Damit ist auch schon die Zusammenarbeit mit den betreffenden Institutionen angelaufen. Sie müssen ja die Informationen in das System hineinkriegen.

Dr. Weinkauf:  Auf jeden Fall. Das Projekt wurde ja in Zusammenarbeit mit der Landesmarketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt geplant, so daß wir die wichtigsten Attraktionen der Region von vornherein erfasst haben, also Angebotselemente aus dem Bereich „Natur und Landschaft“, „Kunst und Kultur“ und „Geschichte“. Die haben wir landesweit dort eingearbeitet. Und in Zusammenarbeit mit den lokalen Portalbetreibern ergänzen wir das.

Ing-Post: Zukünftig werden Sie ja gar nicht in der Lage sein, diese Inhalte einzuarbeiten. Das wird Sache der Betreiber sein, dafür zu sorgen, dass die Inhalte ordentlich eingepflegt werden – Sie geben die Rahmenbedingungen vor. Oder haben Sie vor, solche redaktionellen Arbeiten mit zu erledigen?

Dr. Weinkauf: Für die wichtigsten Angebotselemente haben wir die Redaktion mit übernommen. Das führen wir im Auftrag der Tourismus-Sachsen-Anhalt-GmbH durch. Wir aktualisieren die Inhalte und überprüfen, ob es Veränderungen z. B. im Bereich der Öffnungszeiten gegeben hat. Die Detailinformationen können natürlich nur von den Partnern vor Ort kommen. Dazu stellen wir die entsprechenden Möglichkeiten bereit, die Daten über Web-Browser zu pflegen. Und wir sind deshalb auch interessiert, Kommunen und Landkreise und andere lokale Akteure einzubinden um die Daten aktuell zu halten.
Wenn die Stadt Merseburg z. B. 70 eigene Angebote  - von der Stadtkirche bis zu Übernachtungsmöglich-keiten – einstellt, ist das gleichzeitig im Landesportal sichtbar oder vom Burgenland aus, also wenn man mal in die Nachbarregion schaut.
Man kann aber als Softwarehersteller heute nicht mehr eine leere Hülle bereitstellen, man muss ein fertiges Angebot von der Beratung und Einführung bis hin zum Betrieb bieten.

Ing-Post: Einer der neuen Aspekte ist also, dass Sie den Austausch und die Vernetzung sowie die gegenseitige Bereitstellung von Daten organisieren.

Dr. Weinkauf: Die Daten sind vernetzt miteinander. Sie sind technisch als verteiltes System zu betrachten. Dadurch haben wir auch eine gewisse Ausfallsicherheit.
Wir sind natürlich bestrebt, die Technologie auch auf andere Bundesländer zu übertragen. Im letzten Jahr hat sich die Zusammenarbeit mit Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Bestrebungen gibt es auch mit Niedersachsen. Damit haben wir die Möglichkeit, so ein interessantes Gebiet wie den Harz als Ganzes darzustellen. So stellt das von Sachsen-Anhalt ausgehend auch ein Stück Technologieexport dar.

Ing-Post: Zur Technologie: Das Sammeln von Hinweisen und Angeboten ist ja zunächst mal nichts Neues, sondern wird von jedem ordentlichen Content-Management-System beherrscht. Sie gehen aber einen Schritt weiter und generieren dem Nutzer einen Ablaufplan, weisen auf dazu passende Ergänzungen hin und organisieren damit eine datenbankgestützte Beratung im Internet.

Dr. Weinkauf: Zunächst mal müssen die Informationen strukturiert abgelegt werden. Da haben wir natürlich dafür gesorgt, dass sowohl die geografische Lage mit erfasst wird als auch Öffnungszeiten oder die mehrsprachige Beschreibung. Um die Daten für eine Mehr-Tages-Planung nutzbar zu machen, haben wir spezielle genetische Algorithmen eingesetzt, die wir in Zusammenarbeit mit der Universität Halle entwickelt haben. Die berücksichtigen die zeitliche Verfügbarkeit des einzelnen Objektes und machen einen Vorschlag über mehrere Routen, womit man ein persönliches Programm, das diese Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und Ziele zusammenfasst, aufbauen kann.
Man muss also keine Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten wie Entfernungen, Öffnungszeiten o. dgl. Haben. Man kann sich voll darauf konzentrieren: „Was interessiert mich?“. Und das System stellt ein funktionierendes Programm zusammen.

Ing-Post: Ist auch vorgesehen, dass von Seiten des Systems zusätzliche Vorschläge gemacht werden: Wenn ich schon einmal in einem bestimmten Ort bin, könnte ich mir doch auch noch diese und jene Attraktion ansehen – ich weiß aber gar nichts von ihr. Das System jedoch kennt diese Möglichkeiten und wählt passende aus.

Dr. Weinkauf: Das ist genau im Sinne des Konzepts, dass wir automatisch anbieten, welche weiteren Objekte in der Nähe noch zur Verfügung stehen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob jemand mit dem Auto anreist oder per Fahrrad. Gerade von der Vermarktung her ist es sicher sinnvoll, dass man die bekannten „Leuchttürme“ des Tourismus mit wenig bekannten regionalen Angeboten kombiniert, die auch sehr spannend sein können.

Ing-Post: Ist auch vorgesehen, solche Ereignisse wie z. B. das Schlossfest in Merseburg oder die „Luther-Hochzeit“ in Wittenberg mit in das Angebot zu integrieren, die ja nur zu bestimmten Zeiten von Bedeutung sind?

Dr. Weinkauf: Genau das ist es, was wir 2007 jetzt mit umsetzen wollen. Nämlich, dass wir den Veranstaltungskalender, der in Sachsen-Anhalt landesweit vorhanden ist, direkt in diese Freizeit- und Reiseplanung integrieren. Das können Sie sich jetzt schon anschauen auf der Seite der Kreissparkasse Merseburg-Querfurt. Dort ist schon der Veranstaltungskalender des bisherigen Landkreises Merseburg-Querfurt eingebunden und vernetzt mit dem Freizeitplaner, mit dem sie auch Zugriff auf Kartendarstellungen haben. Und wenn Sie auf eine Veranstaltung gehen, dann sehen Sie: Was gibt es in der Umgebung noch, was kann ich zu Fuß noch besuchen und was gibt es dort noch zu erleben?

Ing-Post: Die Angaben zur Nutzung von Kartendarstellungen werden doch sicher von Ihnen oder jedenfalls von Spezialisten für Geo-Informationen bearbeitet werden müssen?

Dr. Weinkauf: Das war in der Vergangenheit sicher so. Seit 2 Jahren haben wir aber eine Nutzerschnittstelle, wo auch „normale“ Redakteure nach einer sehr kurzen Einweisung in der Lage sind, Geo-Informationen zu erfassen. Dahinter steht, dass wir in der Lage sind, Daten zu verorten, also aus Adressen Koordinaten zu ermitteln und wir so eine Abprüfung fahren können und einen eingegebenen Veranstaltungsort direkt in die Karte einzeichnen können.
Wir haben das im vergangenen Jahr im Bereich des IBA-Stadtumbau Sachsen-Anhalt realisiert. Verkehrsminister Daehre war ja auf der CeBIT und hat diese Anwendung für den Testbetrieb freigegeben. Wir haben dort die Schnittstelle für die IBA-Stadtumbau-Informationen so konzipiert, dass auch Nicht-Fachleute diese Informationen pflegen können.

Das Gespräch führte Dr. Gerhard Kämpfer

Ausgabe 3/2007