Produzierende Verfahrenstechnik und technologie waren das Ziel der 39. Fachexkursion des VDI-Arbeitskreises Verfahrenstechnik Mitteldeutschland in Bad Bibra. Am 20. April 2007 besuchten deshalb in bewährter Regie des AK-Leiters, Herrn Dr. Ronald Oertel, mehr als 30 Wissenshungrige die Molkereigenossenschaft Bad Bibra e.G. Das Interesse an dieser Exkursionwar sehr groß.

Pünktlich begrüßte uns der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft , Herr Dr. Günther. Mit einem guten Einführungsvideo zeigte er uns einen ersten Gesamtüberblick über den spezialisierten Käsereibetrieb für Hart- und Schnittkäse.
Gut vorbereitet über alle historischen und verfahrenstechnischen Zusammenhänge erfolgte dann anschließend die Besichtigung der Produktionsstätten des modernen Käsereibetriebes mit Milchverarbeitung im Süden Sachsen-Anhalts.
300 Mio. kg Milch pro Jahr, welche aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Teilen Brandenburgs angeliefert wird, werden hier in leistungsstarken Prozessanlagen der Lebensmittelverfahrenstechnik rund um die Uhr, an jedem Tag im Jahr, verarbeitet.
Etwa 100 hochqualifizierte Mitarbeiter der Burgenlandkäserei produzieren ca. 100 t Käse pro Tag.
Sehr aufschlussreich ist die Produktionspalette:
• Schnittkäse (Gouda, Edamer, Tilsiter, Räucherkäse der Marken „Bibertaler“ und „Burgenländer“
• Hartkäse (Baski, Reibekäse-Typ Grana)
• Spezialprodukte (Cagliata, Mozzarelle/Pizzakäse)
• Rahm, Molke und Molkekonzentrat
Käse aus Bad Bibra ist mit obigen Produkten vor allem mit Cagliata und Mozzarella bei den Käseherstellern in Italien, aber auch in Japan, Korea, Griechenland und Russland ein Begriff.
Die anschließende Beratungen waren besonders wertvoll und sogar sehr schmackhaft alle Käsesorten durften gekostet werden! Mit vollem Munde wurde zwar nicht gesprochen, trotzdem staunten die Fachleute über die ganzheitlichen verfahrenstechnologischen Betriebslösungen in der Burgenlandkäserei.
Vor wenigen Wochen wurde ein neu gebautes Biomasseheizkraftwerk in Betrieb genommen. Hier wird altes Bruchholz in Form von Holzschnitzeln verbrannt. Das Kraftwerk erzeugt auch den für die Käseproduktion notwendigen Strom. Dadurch senkt die Burgenlandkäserei mit der neuen Anlage ihre „Nebenkosten“ und leistet fast nebenbei einen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emission.

Über den hohen Stand der automatisierten Molkerei-/Lebensmittel-Verfahrenstechnik und die sehr hohe Sauberkeit im Betrieb staunten besonders die jungen Fachleute des Chemieingenieurwesensund der Verfahrenstechnik, die erstmals den Beeich der Lebensmittelverfahrenstechnik zu dieser Exkursion in Bad Bibra gesehen haben. Sie waren der Meinung, dass es sich gelohnt hat, über eigene Fachgrenzen zu schauen.
Beim anschließenden kleinen VDI-Plausch bei Kaffee und Kuchen wurden diese Erkenntnisse noch eifrig diskutiert und beschwatzt. Zum Abschluss dankten alle Teilnehmer den Herren Dr. Günther und Dr. Oertel für die interessante und aufschlussreiche Exkursion in die Produktionspraxis.
Lobenswert ist noch die „Bibertaler Käsescheune“ zu erwähnen. Mehr als 95% der Produktion aus Bad Bibra sind für den Export bestimmt. Seit Dezember 2006 ist es nun möglich, in der unmittelbar am Werkseingang stehenden „Käsescheune“ alle Käseprodukte der Burgenlandkäserei und weitere Spezialitäten aus vielen Ländern zu guten Preisen zu kaufen. Die Bevölkerung der Region, sehr viele Käseliebhaber und auch die Exkursionsteilnehmer kauften die sehr gut präsentierten Spezialitäten. Wie heißt es so schön: „Mit Käse fängt man nicht nur Mäuse“!