Am Samstag, den 19.05.2007, trafen sich ca. 30 Mitglieder und Gäste des VDI zu früher Stunde vor dem BMW-Werk in Leipzig, um sich bei einer Führung durch die moderne Produktion von der Faszination Automobil mitreisen zu lassen.
Begrüßt wurde die Gruppe im Zentralgebäude von Herrn Ludwig.
In den folgenden zwei Stunden übermittelte uns Herr Ludwig Historisches, Interessantes und Überraschendes zu den Automobilen der BMW-Group.
Begonnen hat die Geschichte des Unternehmens BMW am 07. März 1916 unter dem Namen Bayerische Flugzeugwerke. Ein Jahr danach wurde der Name in Bayerische Motoren Werke GmbH (BMW) umbenannt. Gründer waren Karl Rapp und Gustav Otto, dessen Vater den Viertaktmotor erfunden hat. Die Firma wuchs schnell und konnte eine große Werkshalle direkt beim Münchener Flughafen Oberwiesenfeld errichten, in welcher bis 1918 Motoren für Militärflugzuge gebaut wurden. Danach verbot der Versailler-Vertrag die Produktion von Flugzeugmotoren in Deutschland. Dies zwang das Unternehmen dazu Motoren für Lastwagen und Boote zu bauen. Der Erfolg blieb aber aus, so dass ein Zweizylinder-Boxermotor für Motorräder entwickelt wurde, dessen Verkauf 1920 startete.
Das erste BMW Motorrad, die R 32, wurde 1922 auf dem Reißbrett entwickelt. Es sorgte 1923 bei der Premiere auf der Berliner Ausstellung für eine Sensation. Chefkonstrukteur Max Fritz hatte den Boxermotor zur besseren Luftkühlung quer in einen Doppelrohrrahmen eingebaut und seine Kraft über eine Kardanwelle direkt aufs Rad übertragen. Ein Bauprinzip, das bis heute bei BMW Motorrädern gilt.
Ab 1928 ist BMW mit dem Kauf der Fahrzeugfabrik Eisenach im Automobilgeschäft tätig.
BMW entwickelte den dort produzierten Kleinwagen "Dixi 3/15 PS" weiter und bot ihn ab 1929 als BMW 3/15 PS DA-2 an. Trotz Weltwirtschaftskrise erlangte er eine große Popularität.
Der erste in eigener Regie konstruierte BMW aus Eisenach war der 3/20 PS. Zwischen 1932 und 1934 wurden vom 3/20 PS insgesamt 7.215 Stück gebaut.
1933 wurde die Mutter aller BMWs erschaffen. Der BMW 303. Er wurde von einem 1,2-Liter Sechszylindermotor angetrieben. Der Sechszylinder-Motor und der Kühlergrill in Form einer Doppelniere wurden richtungsweisend für die Marke BMW.
Im Oktober 1945 befahl die US-Militärregierung, die BMW Werke München und Allach zu demontieren. Damit verlor BMW in München bis 1949, in Allach sogar bis 1955, die Verfügungsgewalt über sein Vermögen. Besonders im Werk München-Milbertshofen wurden fast alle intakten Maschinen abgebaut und als Reparationsgut in alle Welt verschifft.
Im Sommer 1947 lagen die Konstruktionspläne für das erste BMW Nachkriegsmotorrad vor und kurz vor Weihnachten 1948 wurde die erste R 24 unter der Belegschaft verlost.
1951 wagte BMW den Einstieg in den Markt der Oberklassewagen. Der BMW 501 war eine Großraum-Limousine für höchste Ansprüche. Da das Werk Eisenach unter sowjetischer Verwaltung stand, war er auch das erste BMW Serienautomobil, das komplett in München gebaut wurde. Doch die Großraum-Limousine fiel bei der Kundschaft durch.
Nur die kleine, seit 1955 gebaute, Isetta brachte Gewinne. Ende 1959 taumelte BMW am Abgrund. 1961 schaffte der 1500er den Einstieg in die Mittelklasse. BMW entwickelte sich zum Synonym für sportliche Limousinen aus Deutschland mit stets herausragender Motorentechnik und qualitativ guter Verarbeitung. Dieses wurde bis in die Gegenwart durch eine Reihe erfolgreicher Modelle unter Beweis gestellt.

Zur Ausweitung der Fertigungskapazität begannen 2000 die Planungen für das BMW-Werk in Leipzig. Nach der Bauzeit von 2001 bis 2003 nahm das Werk seinen Betrieb auf und wurde im Mai 2005 offiziell eingeweiht. Das Areal des Werkes erstreckt sich über eine Fläche von 208 ha, wobei die umbaute Fläche mit ca. 300000 m² in ihren Ausmaßen zwei mal die Innenstadt von Leipzig aufnehmen könnte. Die Gesamtkosten für die Errichtung des Werkes belaufen sich auf 1,3 Mrd. Euro.
Bemerkenswert für den Bau eines bayerischen Unternehmens ist das absolute Bierausschankverbot während der Bauzeit.
Nach dem kleinen Abstecher in die Geschichte, mit dem Herr Ludwig die Führung begann, folgten noch einige Erläuterungen zum preisgekrönten Zentralgebäude der Stararchitektin Zaha Hadid. Alle Arbeitsbereiche des funktionellen, lichtdurchfluteten Baues sind so gestaltet, dass ein direkter Kontakt zum hergestellten Produkt vorhanden ist. Über den Köpfen der Mitarbeiter gleiten die Karosserien auf ihrem Weg zu den Produktionsstationen durch das Zentralgebäude.
Die Produktion im BMW-Werk Leipzig ermöglicht die Herstellung eines PKW in 42 Stunden. In dieser Zeit werden alle ca. 5500 Einzelteile von der Karosserie bis zur Innenausstattung zusammengebaut. Insgesamt werden im BMW-Werk Leipzig 650 PKW pro Tag hergestellt, wovon 75 % für den Export bestimmt sind. Gegenwärtig sind im BMW-Werk 2400 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommt etwa die gleiche Anzahl bei Zulieferern am Standort.
Unsere Exkursion in die Produktion startete mit einem Einblick in den Karosseriebau. Insgesamt 500 größtenteils vollautomatisierte Roboter fügen die vorgestanzten Teile der Karosserie mit 5000 Schweißpunkten zusammen. Dabei entsteht alle 74 Sekunden eine neue Komponente der herzustellenden Karosse. Der Karosseriebau ist im Werk Leipzig der erste Schritt zum fertigen Produkt. Vorgelagerte Schritte wie die Stanzerei sind an anderen Standorten des Unternehmens angesiedelt. Täglich ca. 50 LKW versorgen die Produktion mit vorgestanzten Teilen.

Die fertige, ca. 350 kg schwere Karosserie wird der Lackiererei übergeben. Insgesamt vier Schichten Lack, welche das Gewicht der Karosse um ca. 9 kg erhöhen, sorgen für den, ein Autoleben lang haltenden, Glanz. Zur Gewährleistung einer sauberen Oberfläche erfolgt vor Auftrag des Klarlackes die Reinigung der Karosserie mit Straußenfedern. Nach Auftrag des Pulver-Klarlackes ist jede Karosserie in eine weiße Farbe gehüllt. Erst der anschließende Brennvorgang bei 145 °C sorgt für die Entstehung der Klarlackschicht und gibt den Blick auf die endgültige Farbe frei.
Nun folgen ca. 13 Stunden in der Montage, in denen die Karosserie vervollständigt wird. Insgesamt werden 44 Stationen durchlaufen. Bemerkenswert ist die logistische Herausforderung, einzubauende Komponenten just in Time für die schier unendlich erscheinenden Varianten der Fahrzeugausstattung bereitzustellen.
Für jeden Automobilenthusiasten ein besonderer Moment ist die Hochzeit von Fahrwerk und Karosserie, welche als Geburtsstunde bezeichnet werden kann.
Vor Auslieferung der PKW werden diese im letzten Produktionsschritt mit den erforderlichen Betriebsflüssigkeiten befüllt und alle Funktionen getestet. Dies ist der Moment, in welchem das Fahrzeug erstmals aus eigener Kraft bewegt wird.
Nach einer kurzweiligen Führung und mit einer Vielzahl von Eindrücken traten die Teilnehmer ihre Heimreise an.