Besichtigung der Abbundzentrum Leipzig GmbH in Markranstädt

Die Leiterin des VDI-Arbeitskreises Bautechnik Leipzig/Halle, Frau DI Twardy, hatte zum 17.03.08 zur Besichtigung des „Abbundzentrum Leipzig GmbH“ in Markranstädt eingeladen. Unter dem Logo „Technik und Holz“ verbirgt sich ein junger mittelständischer Betrieb, der 1994 gegründet wurde und in der Region eine Nische besetzt.

Mit 17 Mitarbeitern (8 gewerbliche Facharbeiter sowie Architekten, Planer und Materialökonomen) werden in Auftragsfertigung für Zimmerei- und Holzbaubetriebe sowie Häuslebauer jährlich über 500 Dachstuhlbausätze, aber auch Turmkonstruktionen, Carports, komplette Holzhäuser (Wand-, Decken-, Dachelemente unter Beachtung von Wärme-, Schall- und Brandschutz) nach Vorgabe der Architekten und Statiker (Grundrisse, Ansichten, Schnitte, Statik, Massenermittlung) per PC – Technik exakte Angebote, Konstruktionszeichnungen und Kalkulationen sowie Materiallisten und Montagepläne hergestellt.

Die Produkte werden überwiegend aus getrocknetem Fichtenholz (Konstruktionsvollholz, verleimtes Brettschnittholz), aber wunschgemäß auch aus Teakholz gefertigt und einschließlich aller Verbindungselemente aus Metall geliefert. Das alles geschieht just in time (Lieferfristen 7 bis 14 Tage). Das Holz wird vom Lieferanten maßgerecht zugeschnitten angeliefert und anschließend mit CNC – gesteuerten Abbundmaschinen  detailliert wie von Geisterhand mit Schlitzen, Zapfen, Löchern und Schwalbenschwänzen versehen, so dass nur 0,5% Verschnitt anfallen, was bei traditioneller Handverarbeitung zeitlich und qualitativ so nicht möglich wäre.

Nach dem Zuschnitt und der Oberflächenbearbeitung erfolgt die laut DIN 68800 geforderte chemische Imprägnierung, die maximal 1 mm ins Holz eindringt. Der Geschäftsführer der Firma, Herr Höfer, kritisiert, dass dadurch Holz ggfls. zu Sondermüll erklärt wird und andererseits der Nutzen ohnehin fraglich ist. Im Holz sind Astlöcher, Risse, gewisse Verdrehungen und Verfärbungen und eine Verarbeitungsfeuchte von  bis zu 20% zulässig. Nur bei der Bearbeitung festgestellte sog. quer verlaufende Fällrisse müssen ausgeschnitten werden. Der Rohstoff Holz wird mit hoher Verwertungsquote verarbeitet. Anschuhen bzw. Verlängern mittels maschineller Verzahnung ist zugelassen ohne statische Einschränkung. Die Reste aus dem Verschnitt werden als Kamin – und Feuerholz, die Späne als Einstreu für die Viehzucht verwertet.

Der Betriebsinhaber (44, Zimmereibetrieb in 7. Generation) stammt aus Waiblingen (Baden – Württemberg) und hat seine Qualifikation im elterlichen Betrieb und bei mehrjährigen Aufenthalten in der Schweiz und den USA erworben. Zu den Kunden zählen außerhalb der Region auch solche aus Skandinavien, der Schweiz, Großbritannien und Polen, die alle Qualität, Preis, Termintreue und kurze Lieferzeiten schätzen.

Bei der Angebotsbearbeitung liegt die Trefferquote bei guten 30 %. Ärgerlich dagegen ist, dss seit der Betriebsgründung vor 14 Jahren 1,9 Millionen Euro verlustig gegangen sind wegen schlechter Zahlungsmoral oder Insolvenzen der Auftraggeber. Nervlich sind fortwährend angestrengte Prozesse, bei denen versucht wird aus nichtigen oder hinterhältigen Gründen Preisvorteile bzw. Zahlungsverweigerung zu erlangen. Herr Höfer beklagt, dass in der Region allzu oft dem niedrigen Preis gegenüber der Qualität der Vorrang gegeben wird.

Die 10 angereisten VDI – Kollegen/ -innen aus Halle und Leipzig bedanken sich für eine interessante und aufgeschlossene Betriebsführung.

Dr.Schwarz/Sabine Twardy
Ausgabe 2/2008