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Jeder zehnte Liter Kraftstoff in Deutschland kommt aus Leuna
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Interview mit Reinhard Kroll, Geschäftsführer der TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH
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Die TOTAL Raffinerie kann jährlich rund 11 Millionen Tonnen Öl verarbeiten.
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Seit gut einem Jahr sind Sie Geschäftsführer der TOTAL Raffinerie. Wie schätzen Sie aus heutiger Sicht das zurückliegende Jahr 2007 ein?
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Reinhard Kroll ist seit Dezember 2006 Geschäftsführer der Raffinerie.
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Das Jahr 2007 war ein Jahr mit Erfolgen, aber auch ein Jahr besonderer Anstrengungen. Im zehnten Jahr ihres Bestehens hat die Raffinerie eine „Rekordmarke“ erreicht. Im November 2007 wurde die einhundertmillionste Tonne Rohöl verarbeitet. Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch Deutschlands. Jeder zehnte Liter Kraftstoff, der an einer Tankstelle in Deutschland gezapft wird, kommt aus Leuna. In derRaffinerie stand das vergangene Jahr im Zeichen vielfältiger Aktivitäten auf den Feldern Sicherheit, Zuverlässigkeit und Projektarbeit. Dazu gehört beispielsweise die Modernisierung der POX/Methanolanlage. Nach dem Bau der Messwarte und der Installation des neuen Prozessleitzentrums haben wir mit dem schrittweisen Transfer der einzelnen Signale begonnen. Das Ganze erfolgte bei laufender Produktion. Bei diesem Projekt liegen wir gut im Zeitplan und werden die letzten Arbeiten beim Stillstand in diesem Jahr abschließen. Baustart für die Modernisierung der Destillationsanlage mit einem Investitionsvolumen von 51 Mio. Euro war Mitte 2007. Heute sieht man dort bereits neue Fundamente, Stahlkonstruktionen und Ausrüstungen. Ein sehr wichtiges Projekt des letzten Jahres waren die umfangreichen Vorbereitungen für den turnusmäßigen T&I 2008 (Turnaround & Inspektion Generalinspektion), der dem sicheren Betrieb der Anlagen dient und die Raffinerie fit für den Wettbewerb der nächsten Jahre macht. Im Zuge dieser Generalinspektion werden auch die bereits genannten Investitionsprojekte in den Raffineriebetrieb eingebunden.
Mit dem Projekt „Gleis 4“ haben wir im vergangenen April ein Logistik-Projekt begonnen, das uns in die Lage versetzt, flexibler auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren. Mittlerweile ist diese Investition abgeschlossen und die neue Befüllstation für Kesselwagen läuft im Probebetrieb. Der Transport
unserer Produkte auf der Schiene hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Die Entscheidung der TOTAL Gruppe zum Bau einer dritten Entschwefelungsanlage unterstreicht unser langfristig angelegtes Engagement am Chemiestandort Leuna. Diese neue Anlage wird die Flexibilität der Raffinerie weiter erhöhen und u. a. schwefelarmes Heizöl produzieren. Es ist der erste komplette Neubau einer Anlage in der Raffinerie seit ihrer Inbetriebnahme. Die Investitionssumme beträgt 120 Mio. Euro, die Inbetriebnahme erfolgt im Jahr 2009. Aber nicht nur auf dem Investitionsgebiet gab es positive Meldungen. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass die drei besten Lehrlinge im Berufsbild Chemikant, die im IHK-Bereich Halle-Dessau ausgezeichnet wurden, aus der TOTAL Raffinerie kommen. Das ist eine Bestätigung unseres guten Ausbildungskonzeptes. In Zukunft werden wir verstärkt dafür sorgen, dass die Plätze von Mitarbeitern, die aus Altersgründen ausscheiden, durch den Nachwuchs aus der betrieblichen Ausbildung eingenommen werden können. Mit dem Anstieg des Ölpreises auf mehr als 100 Dollar pro Barrel haben wir Anfang 2008 eine Höchstmarke erreicht.
Welche Auswirkungen haben die hohen Ölpreise auf den Markt in Deutschland?
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Prognose des Mineralölverbrauchs in Deutschland in Mio. t
Quelle: MWV
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Das Erreichen der 100 Dollar-Marke für ein Fass Öl war bei uns in der Raffinerie kein Grund zur Freude, denn der Mineralölmarkt verändert sich auch dadurch erheblich. Prognosen für Europa einschließlich Deutschland gehen davon aus, dass der Benzinverbrauch in den nächsten Jahren weiter sinken wird. Allein im vergangenen Jahr ging er in Deutschland um rund 4 % zurück und lag bei rund 22 Millionen Tonnen. Beim Diesel ist ein gleich bleibender Verbrauch absehbar. Nur der Verbrauch beim Flugturbinenkraftstoff wird in den nächsten Jahren durch die Zunahme des Flugverkehrs ansteigen. Sichtbar ist diese Tendenz in unserer Region auch durch die Aktivitäten auf dem Flughafen Leipzig-Halle. Wir stellen uns mit unserer Strategie auf die sich verändernde Situation ein: Beispielsweise durch die Modernisierung unserer Destillationsanlage, in deren Ergebnis wir aus einer Tonne Öl mehr Mitteldestillate, also Diesel, Heizöl und Kerosin, und weniger Benzin produzieren werden. Kurzum der Wettbewerb im Raffineriesektor heißt für uns, auch in Zukunft die Anlangen mit hoher Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effektivität zu betreiben.
Welche Visionen haben Sie für die Zukunft des Raffineriestandortes Leuna?
Auch in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus werden wir in der Raffinerie in Leuna Kraftstoffe aus Öl produzieren. Bereits heute ist absehbar, dass dabei ein steigender Anteil von Biokomponenten eingesetzt wird. Auch auf dem Gebiet Klimaschutz und Energieeinsparung kommt einiges auf uns zu. Entscheidend für die Zukunft der Raffinerie sind für mich aber die Mitarbeiter. Sie spielen bei noch so großen technischen Entwicklungen die Hauptrolle. Sie sind es, die diese Entwicklungen vorantreiben, die die komplizierte Technik beherrschen und bedienen. Wenn wir über die Zukunft in zehn Jahren nachdenken, dann liegt unser Hauptaugenmerk auf der Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Wir investieren jährlich in Trainings- und innerbetriebliche Ausbildungsprogramme, um uns umfassend auf neue Projekte und technologische Veränderungen vorzubereiten. Im letzten Jahr haben wir insgesamt fast 100.000 Trainingsstunden absolviert. Jeder von uns nimmt an Schulungen teil, der Anlagenfahrer genauso wie ich selbst. Besonderen Stellenwert haben dabei Sicherheitstrainings, beispielsweise zur Analyse kritischer Tätigkeiten im Rahmen unseres ARGUS-Programms oder auch das Training für unsere Sicherheitsbeauftragten bei der BG Chemie. Eine große Rolle spielt für mich auch die Einbindung der Raffinerie in das Umfeld. In der Region übernehmen wir eine gesellschaftliche Verantwortung, unterstützen Bildungs-, Kultur- und Sportprojekte in Mitteldeutschland und pflegen eine gute Nachbarschaft besonders zur Gemeinde Spergau. Und nicht zuletzt engagieren wir uns für die Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland, um einen Beitrag zur Entwicklung des Länderdreiecks Sachsen- Anhalt, Sachsen und Thüringen zu leisten.
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Ausgabe 2/2008
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