Wenn kürzlich das Sturmtief „Emma“ über uns hinwegfegte, wird bei den Vorwarnungen der Meteorologen wohl selbst in Magdeburg kaum jemand einen Bezug zu Otto von Guericke, Magdeburgs wohl bekanntestem Sohn, hergestellt haben. Und doch war es eben genau dieser Otto von Guericke, dem es im Jahr 1660 auf Grund systematischer Beobachtungen des Luftdruckes gelang, ein Unwetter rechtzeitig vorherzusagen.
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Vorstellung der Sensoren und Prognosemodelle beim letzten Projekttreffen im ifak
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Wenn sich dieser Tage Forscher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundvorhabens „SAFE“ am Chiemsee treffen, wird es um solche und weiter reichende Fragestellungen gehen. Dabei sind dann neben Meteorologen von Jörg Kachelmann auch Wissenschaftler des ifak, des Institutes für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg, das in Kürze seine Wirkungsstätte in die Denkfabrik im Wissenschaftshafen nach Magdeburg verlagern wird.
Klimaprognosen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden derzeit heftig und kontrovers diskutiert. Unstrittig ist, dass die durch Unwetter verursachten Schäden in den letzten Jahren dramatisch zugenommen haben. Wenngleich man am Wetter selbst nichts wird ändern können, so kann man zumindest den Versuch unternehmen, sich bestmöglich vor extremen Wettersituationen zu schützen. Das wiederum setzt eine rechtzeitige Warnung und Information voraus, die sich auf möglichst fundierte Daten stützen muss. Jeder kennt die für die Wettervorhersage in den Nachrichten genutzten Satellitenfilme und Radaraufnahmen. Jeder hat aber auch schon am eigenen Leibe die Erfahrung gemacht, dass insbesondere Gewitterzellen mitunter Schäden verursachen, von denen zwei Straßenzüge weiter nichts mehr zu spüren ist.
Für derart kurzfristige und lokale Warnungen sind fundierte Messdaten unerlässlich. Das gegenwärtig dafür in Deutschland zur Verfügung stehende Messnetz von etwa 1.000 Messstationen ist dafür noch viel zu weitmaschig. „Ein Entwicklungsziel des Verbundprojektes SAFE sind daher preiswerte und robuste Sensoren, die insbesondere Starkwind und Starkniederschläge erfassen und die perspektivisch ein viel engmaschigeres Sensornetz ermöglichen“, so Dr. Jörg Auge vom ifak. „Mit Netzanschluss an Gebäuden oder per Solarstrom auf der grünen Wiese installiert, übertragen die Sensoren im Minutentakt ihre Messdaten per integriertem GPRS-Modem an einen zentralen Datenserver.“
Dieser Datenserver wird im April in den Räumen des ifak in der Denkfabrik in Magdeburg für die Piloterprobung vorbereitet. Werden momentan von 5 Sensoren des eigens eingerichteten ifak-Testfeldes Daten erfasst, sind es dann auch die Daten der Pilotstandorte. So sollen die Marktgemeinde Mering bei Augsburg sowie die Wacker AG in Burghausen mit einem westlich vorgelagerten Schutzgürtel aus Sensoren ausgestattet werden, um die Entwicklungsergebnisse zu testen. „Mit Hilfe der Messwerte des Sensor-Schutzgürtels werden dann Kurzzeitprognosen für das Wetter, aber auch für die Pegelstände umgebender Fließgewässer und Kanalnetze erstellt“, wie uns Dr. Manfred Schütze mitteilt. „Die gewonnenen Prognosedaten werden per Telefon, Fax, SMS oder Internet umgehend zur Verfügung gestellt.“
Während des letzten Projekttreffens beim ifak wurde gezeigt, dass selbst das Einblenden von lokalen Warnmeldungen in das laufende Fernsehprogramm technisch möglich ist. Über entsprechende Schnittstellen können darüber hinaus auch Informationen in Gebäudeleitsysteme übertragen werden, die beispielsweise das automatische Schließen von Dachluken, Einfahren von Markisen, Herablassen von Rollos oder Schließen von Rückstauklappen bewirken.
Profitieren gegenwärtig und in naher Zukunft noch eher größere Unternehmen und regionale Einsatzkräfte, wie Feuerwehren oder Havariestäbe, so wird mit einer flächendeckenden Einführung der neu entwickelten Messstationen die Anzahl der Nutzer des Informationsdienstes stetig steigen. Und mit fallenden Kosten kann dann der Wetterinteressierte sein persönliches Abonnement abschließen, das ihn jederzeit vor lokalen Gewitterfronten oder Sturmtiefs warnt, indem sein Handy klingelt.
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