Fachexkursion des Arbeitskreises Verfahrenstechnik Mitteldeutschland
VDI Hallescher Bezirksverein

Der länderübergreifende VDI-Arbeitskreis Verfahrenstechnik Mitteldeutschland des Halleschen Bezirksvereins führte unter Leitung von Herrn Dr. Ronald Oertel am Freitag, dem 23. März 2007 von 14:30 bis ca. 17:00 eine sehr interessante Exkursion zur Clion GmbH Tollwitz unter dem Motto „Kunststofftechnologien für die Automobilindustrie“ durch. Daran nahmen mehr als 25 Interessenten aus Westsachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin teil. Erfreulich auch das Interesse einiger Studenten der Universität Halle und der Hochschule Merseburg (FH). Treffpunkt war vor den Werksgebäuden in dem kleinen Gewerbegebiet bei Tollwitz/Sachsen-Anhalt nahe der Autobahn A9.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Geschäftsleiter der Clion GmbH Herrn Schlegel und unseren Arbeitskreisleiter Dr. Oertel wurde ein Vortrag zum Thema „Kunststofftechnologien – Anforderungen aus der Automobilindustrie und ihre technisch-technologische Umsetzung“ gehalten. Herr Dipl.-Ing. Olaf Lehmann,  Leiter Technik und Produktion der Clion GmbH, gab dabei einen sehr sachlichen und allgemeinverständlichen Einblick in diese Zulieferbranche des mitteldeutschen Automotive-Clusters, insbesondere was die Hauptprodukte am Standort Tollwitz betrifft. Diese sind PKW-Innenraumverkleidungen bzw. Bodenverkleidungen für ausgewählte Fahrzeugtypen sowie Motorraumstirnwände. Das Werk ist noch sehr neu, wurde 2005 mit  zwei Produktionslinien in Betrieb genommen und beschäftigt heute mehr als 80 Mitarbeiter bei einem Umsatz von ca. 12 Mio Euro/Jahr. Bei den Bodenverkleidungen handelt es sich um kaschierte, verformte und mit PUR hinterschäumte Velourteppichböden, die sowohl formschlüssig als auch optisch und akustisch wirksam sind. Motorraumstirnwände werden durch Hinterschäumen von elastischen Spritzgussteilen hergestellt. Alle Produkte verlassen das Werk einbaufertig und werden just in time (JIT) bzw. just in sequenz (JIS) geliefert.

Sehr erfreulich war zu hören, dass es eine eigene Entwicklungsabteilung gibt, die eng mit Forschungseinrichtungen der Kunststoffbranche in Mitteldeutschland zusammenarbeitet. Nach diesem Einführungsvortrag ging es in zwei Gruppen durch die beiden Produktionshallen und an den jeweiligen hochautomatisierten Produktionsanlagen wurden entsprechende Erläuterungen gegeben, wobei insbesondere die konstruktiven Besonderheiten und das Zusammenspiel von Rezeptur der eingesetzten Kunststoffgranulate, Beschickung der Verformungsaggregate, Fertigungstechnik und Formgebung beeindruckten. Eine unmittelbare Qualitätskontrolle schließt sich nach dem Produktausstoß an. Dabei wird dem Beobachter klar, dass  die Zulieferbranche wie ein Räderwerk funktionieren muss, dass es aber mit der Umsetzung der Rücknahmeverordnung für Altautos durch den Hersteller noch so manche technologische Nuss zu knacken gibt. Da werden auch die Zulieferer nicht umhin kommen, denn die Endmontierer (PKW-Hersteller) werden diese nicht aus der Pflicht entlassen. An Herausforderungen für Ingenieure, Chemiker und Ökonomen wird es  also auch in Zukunft nicht mangeln. Gut ist beraten, wer sich heute schon Gedanken über die Wiederverwertung der eingesetzten Kunststoffe macht – denn der hat in 10 Jahren einen Wettbewerbsvorteil.

Nach etwa einer Stunde trafen sich beide Gruppen wieder im Vortragsraum und konnten ihre Fragen stellen. Herr Dr. Oertel dankte den beteiligten Firmenvertretern für die sehr interessante Exkursion und übergab ihnen zur Erinnerung je ein Flasche Wein im Namen des  VDI-Hallescher Bezirksverein aus Saale-Unstrut-Anbau.

 

Dr. Bernd Schmidt
VDI Hallescher Bezirksverein
Ausgabe 2/2007