VDI Bezirksgruppe Wittenberg:
Jahreshauptversammlung mit Vortrag zur Industriegeschichte in Wittenberg

Der Arbeitskreis hat in der Mitteldeutschen Wirtschaftsregion auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik im letzten Jahr insgesamt 21 Fachveranstaltungen mit 462 Teilnehmern durchgeführt. Davon waren ca. 258 VDI-Mitglieder. Die Veranstaltungen des Arbeitskreises waren ein guter Mix aus theoretischem und praktischem Erfahrungsaustausch. Sehr gut sind die Fachexkursionen, speziell die Jahresfachexkursion nach Burghausen und die fachbezogenen Kolloquien angenommen worden.

Teilnehmer der JahreshauptversammlungBesonders hervorzuheben sind die 5 Schülerveranstaltungen zur Thematik „Was eigentlich ist Verfahrenstechnik?“ mit 233 Schülern aus den 10. – 12. Schuljahr Die Jahreshauptversammlung der Bezirksgruppe Wittenberg des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) wurde am 19. Januar 2007 in der Evangelischen Akademie durch einen Vortrag von Burkhard Richter eingeleitet. VDI Mitglieder und Gäste konnten dabei einen durch Lichtbilder einprägsamen kurzen Abriss über die Ansiedlung der ersten Industriebetriebe in Wittenberg erfahren.

Mit der Neuzuordnung von Teilen des Landes Sachsen im Jahr 1815 kam Wittenberg nach Preußen, welches die Stadt zu einer Festung ausbauen ließ. Damit war vorerst eine Industrieansiedlung im Stadt- und Randgebiet unmöglich. Erst durch die Entfestigung Wittenbergs ab dem Jahr 1873 wurde die Grundlage zu einer Ansiedlung von neuem Gewerbe und Industrie geschaffen. Begünstigt wurde dies durch die Lage am wichtigen Verkehrsweg „Elbe„ und der „Berlin-Anhaltischen Eisenbahn“. Dazu wurde 1876 der Bau des Hafens begonnen und 1889 die neue Hafenbahn eröffnet. Ihre ehemaligen Gleise sieht man noch heute im Bereich des auf dieser Strecke verlaufenden Elb-Radweges.

Als wesentliches Industriegebiet wurde das weiträumige Gelände westlich des Hafens genutzt. Die bekannten Namen der dort angesiedelten Firmen sind unter anderem die Kant Schokoladenfabrik sowie die Joly Eisengiesserei. Eindrucksvolle Industriebauten aus dieser Zeit sind noch heute zu sehen, zum Beispiel der Baumarkt Obi mit der dort ehemals hergestellten gusseisernen Wendeltreppe und die Firma Wikana.

Ein weiterer Industriestandort entwickelte sich an der Dresdener Straße, wo sich unter anderem der Mühlenbaubetrieb A. Wetzig ansiedelte (heute Maschinen- und Mühlenbau Wittenberg). Im Verlauf des Vortrags wurden so die bedeutendsten Industrieansiedlungen jener Zeit in Wittenberg erläutert.
Nach dem Vortrag wurden in der Jahreshauptversammlung die Veranstaltungen des vergangenen Jahres besprochen sowie ein Ausblick auf die geplanten Aktivitäten in diesem Jahr gegeben. Organisatorische Punkte zu den Terminen und der Durchführung verschiedener Veranstaltungen standen weiterhin zur Diskussion.

Der vorangegangene Vortrag war besonders durch seinen Bezug zur Industrie und Technik in Wittenberg sehr informativ. Da der VDI für das Jahr 2007 bereits jetzt einen umfangreichen Veranstaltungsplan aufgestellt hat, können alle Mitglieder und interessierten Gäste auf weitere einprägsame Veranstaltungen hoffen.

in Rahmen der Berufsvorbereitung. Basis dieser Vorträge waren die Vortragsmodule der KJVI’s der GVC.
Leider beteiligten sich in diesem Jahr nur 2 Studenten aus der Region an der GVC/DECHEMA-Jahrestagung in Wiesbaden. Im Rahmen einer Veranstaltung der Studenten/Jungingenieure im BV Halle wurde die Jahrestagung ausgewertet und die Studenten des Arbeitskreises STUD./Junging. werden sich 2007 um die Vorbereitung und Informationsverbreitung zur JT 2007 kümmern.

Es besteht eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den UniversitätenJena und Leipzig sowie der Hochschule Anhalt in Köthen. Weiterhin wird die Facharbeit unterstützt durch die Innovationszentren Merseburg und Köthen. Die FH Merseburg und der FB Ingenieurwissenschaften der Uni Halle sind nur mit geringem Engagement vertreten. Das schon zum 9. Mal bundesweit stattfindende Rührkolloquium an der Hochschule Anhalt wurde mit sehr guter und internationaler Beteiligung durchgeführt (64 Teilnehmer, davon viele Studenten!).

Ein weiterer, traditionsbehafteter Tagungshöhepunkt fand im November mit der aller zwei Jahre durchgeführten 8. Fachtagung „Anlagen-, Arbeits- und Umweltsicherheit“ statt. 169 Teilnehmer aus Deutschland tauschten sich zu dieser Thematik in Köthen auf Einladung des Halleschen Bezirksvereins aus und sprengten mit der Teilnehmerzahl fast die mögliche Tagungskapazität.

Einen guten Start hatte am 12. Oktober 2006 das gemeinsam mit der DECHEMA organisierte Kolloquium „Kautschuk und Kunststoffe im Automobilbau“ in Leipzig. Damit konnten die in den 90iger Jahren mit Erfolg durchgeführten DECHEMA Regionalkolloquien an der Uni Leipzig wieder aufgenommen werden.

Erstmals wurden auch die Verfahrenstechniker und Chemieingenieure in Thüringen am 19. Januar 2006 nach Erfurt eingeladen. Hier wurde, leider nur im kleinen Kreis, über die Möglichkeiten eines eigenständigen thüringischen Arbeitskreis gesprochen. Alle Anwesenden waren der Meinung, dass eine Betreuung durch den VDI-Arbeitskreis Mitteldeutschland für den Erfahrungsaustausch der Community gegenwärtig am besten ist. Deshalb werden ab Januar 2006 alle 78 VDI-GVCMitglieder in Thüringen, durch den VDI-Arbeitskreis Mitteldeutschland betreut. Von den 21 Veranstaltungen des Arbeitskreises fanden allein drei in Thüringen statt.

Die vier durchgeführten Fachexkursionen wurden ausgesprochen gut wieder besucht und ein besonderer Höhepunkt war in diesem Jahr der Besuch der Wacker-Chemie in Burghausen. Neben der Besichtigung des Chemiestandortes war der Burgbesuch ebenfalls beeindruckend. Mit der GVC fand Anfang Oktober eine Diskussionsrunde mit Betriebsingenieuren in Leuna statt. Ausgangspunkt dieser Veranstaltung ist die Vorbereitung eines im nächsten Jahr stattfindenden bundesweiten Workshops zur Thematik „Eine Informationsplattform für Ingenieure in der Produktion“. Hier war der Wunsch der Anwesenden, nicht nur bundesweit, sondern vor allem regional ein Informationsplattform für die Produktions- und Betriebsingenieure zu bieten. Dem wird sich der Arbeitskreis 2007 stellen.

In der Arbeitskreisbeiratssitzung, die im Oktober auf Einladung des Institutes für Technische und Umweltchemie in Jena stattfand, wurde der Arbeitsplan für 2007 entworfen. Dieser ist als Anhang diesem Jahresbericht beigefügt und wird weiter auf der Basis der Vorschläge und Ideen, die aus dem Arbeitskreis kommen, untersetzt.

Dipl.-Ing. Andreas Naumann (VDI), Wittenberg
Ausgabe 1/2007